Donnerstag, 26. Juli 2018

Flieger, grüß mir die Sonne!

So, der Koffer ist gepackt, morgen geht es nach Good Old Germany zum Urlaubmachen, endlich! Nach drei komplett ereignislosen aber arbeitsreichen Wochen alleine in der Burg - während die Restfamilie den Jahrhundertsommer in Europa genießt - wird es auch wirklich Zeit. Bis irgendwann.


Samstag, 7. Juli 2018

Jimi in Dubai

Das Schuljahr liegt hinter uns, und auch dieses Mal schien die Zeit ein wenig schneller zu vergehen als davor. Aber wie sagt man so schön: Time flies when you're having fun. Und wenn schon nicht immer Fun, dann zumindest Action. Alle hier waren mit Arbeit und Schule mehr als ausgelastet, und so wird es für ein weiteres Jahr weitergehen, nunmehr schon das sechste.

Das es unterm Jahr nicht nur Arbeit gab, davon berichtet mein Blog. Besuche der Kinder und von Freunden brachten noch dazu Abwechslung - von Carls zweimonatigem Selbstversuch in einem deutschen Internat ganz zu schweigen. Dieses Experiment konnte nur erfolgreich enden, so oder so, entweder mit einem Erkenntnisgewinn für uns Eltern, oder für ihn.

Mein persönliches Highlight kam mit dem Abschlusskonzert der Deutschen Schule in Dubai, wo ich den Sidekick für unseren kleinen Gitarrengott abgeben durfte. Enjoy!


Was hatten wir für einen Spaß, den Saal zu rocken. Beim Papa kam noch eine Portion Stolz hinzu, auch Nostalgie. Es ist eine Schande, dass ich das Holz ein Vierteljahrhundert lang an der Wand hängen ließ. Dranbleiben hätte man sollen, auch wenn man nie und nimmer ein John Entwistle werden wird!

Nur zwei Tage vorher hatten wir beschlossen, das etwas dünne Programm mit einer kleinen Nummer aufzustocken. Unmöglich, in der kurzen Zeit einen Drummer oder gar Sänger(in) zu finden, doch dafür gibt es das Internet: Backing Tracks lassen sich fast nach Belieben zusammenstellen; in unserem Fall Gitarren und Bass raus, außerdem Gesang für Carl's Impro-Teil nach dem Solo, fertig ist der Sponti-Gig. Und dann noch YouTube, wo es für fast jedes populäre Stück Tutorials gibt, von Musikern für Musiker - einfach klasse! Früher hätte man einem aus UK oder US importierten, sauteuren Songbook hinterher jagen müssen, heute übt man online was und wie man möchte.

Ja, früher, viel früher. Fast hätte ich "zu meiner Zeit" geschrieben, aber das ist Bullshit, denn es ist immer "deine Zeit" und nie zu spät. Die Kraft der Musik ist ein Teil des Lebens, Musik spielt immer eine Rolle. Selbst Musik zu machen ist bereichernd, egal auf welchem Amateurniveau. Conny macht es beruflich (hier hat sie gerade ihren Grundschulchor im Griff), zudem spielt jeder von uns ein Instrument. In manchen Zeiten mehr, in anderen weniger, aber es wird immer da sein.

In unserem Multikulti-Dubai wird hierzu von privaten Musikschulen alles angeboten, was es an Instrumenten auf der Welt gibt. Wir sind seit langem Stammkunden des Centre for Musical Arts, wo wir für Cello, Flöte, Gitarre, Gesang und Band schon viele Dirhams gelassen haben. Dafür bekommt man professionellen Unterricht, Auftrittsmöglichkeiten, und die Teilname an ungewöhnlichen, durchaus hochkarätigen Workshops. Die Schule lässt dazu ab und an renommierte Berufsmusiker einfliegen, die dann einen Tag oder ein Wochenende mit den Schülern Projektarbeit machen und diese mit einem Konzert abschließen. Ein Beispiel: Ein Querflötist des Singapur Symphonieorchesters war mal zu Gast, der bei Johanna sichtlich Eindruck und frische Motivation hinterlassen hat. Beim Auftritt am Schluss des Workshops war es eine Überraschung zu hören, welches Niveau an solch einem intensiven Wochenende erreicht werden kann, wenn ein Profi seine Kunst direkt vermitteln darf.

So haben wir im Laufe der Zeit eine Vielzahl kleinerer Konzerte nicht nur gesehen, sondern auch gestaltet und manchmal sogar organisiert. Man sieht: Ein kulturell aktives Leben ist auch in unserer großen Glitzerstadt möglich.

Montag, 25. Juni 2018

Vogelrettung, zum Zweiten

Die Pergola vor dem Eingang zur Garage ist beliebt bei denjenigen Nestbauern, die auf ein hängendes Nest bestehen und keine Mühe scheuen, ein solches mit großer Kunstfertigkeit zu errichten. Faszinierend! Der dauernde Publikumsverkehr stört sie dabei überhaupt nicht.


Unsere diesjährige Vogelfamilie hatte mit Erfolg ihre zwei Kleinen ausgebrütet und war im Dauereinsatz, um Futter beizubringen. Ein kleines Drama in zwei Akten begann mit einem stürmischen Tag, an dem das Nest mit den Küken herunterfiel. Zum Glück war ich schneller als die Katzen der Nachbarschaft. Mit Hilfe dreier Kabelbinder konnte die Sache schnell behoben werden, während die Eltern im Baum daneben alles voller Sorge und mit lautem Protestgezwitscher beobachteten. Das legte sich jedoch schnell, und es wurde weitergefüttert.

Tage später im zweiten Akt aber brach der Nestboden auf. Das eine Küken hielt sich noch mit den Flügeln panisch irgendwie fest, doch vom anderen war nichts mehr zu sehen. Ausgleich für die Katzen! Immerhin, unsere war's nicht, die hatte nämlich Hausarrest. Natürlich gelang es MacGyver auch diesmal, die Situation zu retten, und zwar mit Watte und breitem Klebeband. Dem überlebendem Jungtier geht es nach all der Aufregung prächtig. Schade nur um das andere.

Unten im Video eine knappe Minute Vogelbeobachtung. In der ersten Szene sieht man das tiefblaue, fast nachtschwarze Männchen, wie es erst füttert und dann die Reparatur begutachtet und absegnet. Im zweiten und dritten Teil kommt die Mama und zupft an meinem Klebeband rum - wahrscheinlich war es ihr zu unordentlich.



Aufgenommen mit 100 fps, daher die niedrige Auflösung, dann verlangsamt um Faktor 4 für die ersten beiden Teile. Der dritte Teil zeigt Originalgeschwindigkeit - zu schnell für das menschliche Auge (außer für MacGyver ... und Chuck Norris natürlich.)

Übrigens: Den grünen Piepmatz von unserer ersten Vogelrettung habe ich in eine angesehene Tierklinik gebracht, wo auch die Locals ihre Falken pflegen lassen. Gegen eine kleine Spende adoptieren die Mitarbeiter solche Tiere kurzzeitig, bis sie freigelassen werden können. Eine feine Sache. Ich habe den kleinen Scheißer danach tatsächlich etwas vermisst...

Samstag, 16. Juni 2018

Ein königliches Schiff

Ein geklautes Bild gleich vorneweg: Die schöne QE2 hat nun endlich festgemacht bei uns am alten Kreuzfahrtterminal und startet gerade in ihr zweites Leben als Hotel der eher ungewöhnlichen Art.


Die Queen Elizabeth 2, kurz QE2 - man erinnert sich an das gleichnamige Album von Mike Oldfield - hatte ihren Stapellauf im September 1967 und ist damit genau drei Wochen jünger als ich. Sie ist eine Ikone der Transatlantikroute, und ihre Eleganz macht Lust, die Strecke mal mit einem Schiff statt wie üblich im engen Flieger zu bewältigen.

Kurzer Exkurs in die Geschichte: Die QE2 ist die Nachfolgerin der beiden größeren Dampfer RMS Queen Elisabeth und RMS Queen Mary aus der Zeit vor den schnellen Flugzeugen. Nach 35 Jahren im Transatlantik-Liniendienst, als Kreuzfahrt- und auch als Kriegsschiff wurde sie 2004 von der doppelt so großen QM2 abgelöst, die man heute regelmäßig z.B. in Hamburg bewundern kann. Die alte QE1 fand ihr tragisches Ende 1972 im Hafen von Hongkong, während die QM1 heute in Long Beach als Hotel- und Museumsschiff weiterlebt.

Der Kaufpreis der QM1 lag 1967 bei schlappen 1,23 Millionen Pfund. Inflationsbereinigt waren das im Jahr 2008 ca. 10 Millionen USD. Dubai hat im selben Jahr für die QE2 das Zehnfache hingelegt, 100 Mio USD - ein perfekter Ausdruck der damaligen Was-kostet-die-Welt-Mentalität der Scheichs vor der Krise. Danach lag das Projekt auf Eis, zeitweilig wurde über eine jährliche Vermietung für 1 Mio USD nach Asien verhandelt, mit späterer Kaufoption für 35 Mios - die reine Verzweiflung, so scheint's.

Letztlich blieb man wohl auf ihr sitzen und hat nun, Augen zu und durch, die Umwandlung in ein Hotel abgeschlossen. Aber nicht, ohne nochmal den Kaufpreis in die Renovierung zu stecken. Wahnsinn. Ob die Sache sich bei den 224 Zimmern jemals rechnen wird? Bei der QM1 in Long Beach sind nun weitere 300 Mio USD fällig, damit der Kahn nicht absäuft. Das wären allein 6 Mio pro Jahr an Preventive Maintenance (hätte man sie denn gemacht). Bei sehr guter Belegung müsste jedes Zimmer der QE2 allein dafür täglich 100 USD einbringen, nur für die Wartung! Klare Antwort: No freaking way! Aber darum geht es ja nicht unbedingt, sondern, siehe Burj Al Arab, um die Symbolik und den Marketingeffekt.

Im Schiff wird noch fleißig an den Details gearbeitet. Noch sind nicht alle Restaurants eröffnet, und daher gibt es einen Residents Discount fürs Hotel. Man kann auch einfach so mal aufs Schiff und sich frei umsehen. Das haben wir kürzlich an einem heißen und schwülen Abend getan und ein paar Bilder mitgebracht. Ohne Zweifel, die Sechziger Jahre hatten Stil.

Majestätisch liegt sie da.

Das ist ein bisschen wie im Titanic-Film.

Bar mit Konzertbühne

Der Charme vergangener Zeiten

Ein Casino für die Amis aus New York

Das kleine aber feine Theater

Ein Restaurant, noch nicht geöffnet.

Hauptgang mit Wachposten

Der große Ballsaal

Die kreisrunde "Midship Lobby Area"

Sorgsam restauriertes Treppenhaus

Eine Einkaufsmeile wird es auch geben.

Das alte Kreuzfahrtterminal wurde für die QE2 aufgemöbelt und dient nun als Hotelrezeption und kleines Schifffahrtsmuseum. Dort steht auch eine virtuelle Brücke mit dem original Steuerrad. Erstaunlich klein für die Größe des Dampfers.



Samstag, 9. Juni 2018

Kuriositäten der Woche

Den Ramadan haben wir nun fast geschafft. Die Arbeitszeiten sind gesetzlich verkürzt, doch den Terminplan auf meiner Baustelle juckt das freilich nicht die Bohne. Also haben wir die Teams in zwei Schichten á 6h eingeteilt - mit dem Ergebnis, dass wir Ungläubigen vom Project Management eher mehr als weniger arbeiten. Zum Ausgleich winkt mit dem Eid al Fitr ein langes Wochenende.

Streifen wir bei der Gelegenheit mal kurz das Thema Religionsfreiheit: Neulich bin ich in unserem lokalen Supermarkt, dem Choitrams, auf folgendes Regal zwischen Haarspray und Kondomen gestoßen. Wie man sieht, werden hier alle bedient, und zwar ganzjährig: Christen, Hindus, Buddhisten, und Muslims sowieso. Die dazugehörigen Tempel und Kirchen gibt es außerdem. Verfolgt braucht sich keiner fühlen (hier ein interessanter Artikel), missionieren sollte man allerdings auch nicht, sonst droht Ausweisung.


Natürlich gibt es immer wieder mal ein paar Idioten, die sich irgendwie daneben benehmen und sich so eine unehrenhafte Eintragung im Internet verdienen. Greift ein westliches Medium die Geschichte auf, wird sie oft garniert mit den üblichen Fake News über das Leben hier. Ein (un)schönes Beispiel ist die Story vom besoffenen Schotten, der sich mit einem Deutsch-Jordanier angelegt hat. Der Artikel dazu im Focus (Fakten, yeah right - aber die Welt ist auch nicht besser) gibt der Sache einen billigen Spin und behauptet, religiöse Symbole seien hier verboten. Falsch! Der Fisch klebt auf der Heckklappe und der Rosenkranz mit Kreuz baumelt am Rückspiegel - wer's braucht, kann's haben. Mehr Details vom Schotten stehen übrigens hier.

Themenwechsel ins Triviale: Viele Dinge hier erinnern mich an die USA - die weiten Straßen, die langen Distanzen, die Bedeutung des Autos, billiges Benzin, und auch die Sonne und die entspannte Lockerheit unter uns Expats. Ein weiterer Aspekt kommt mit diesem grellen Playmobil wohl hinzu. Ein Hauch von Sunset Boulevard und Beverly Hills in einem.


Oh süße Dekadenz! Aber wo eine Marktlücke, da auch ein Service. Ein Business ist schnell hochgezogen, es mag funktionieren, und manchmal auch nicht. Auch das ist sehr amerikanisch hier. Ich wünsche dem Hundedurchbürster viel Erfolg mit seiner Unternehmung. Es müsste ja genug Jumeirah Janes (lesen!) bei uns geben, die das terminlich zwischen Yoga und Pediküre noch hinkriegen.

Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse! Zum Schluss noch einen schönen Gruß vom unserem Spontizwerg.


Sonntag, 3. Juni 2018

Boot oder Auto?

Es hat 40 Grad im Schatten, da tut Abkühlung not. Was liegt näher, als mit unseren großvolumigen Verbrenner-Dinosauriern mal eben durch den nächsten See zu pflügen und zu testen, ob der V8 wasserdicht ist und die in den Specs angegebene Wattiefe von 700 mm auch wirklich stimmt. Eine bessere Schnapsidee fürs Wochenende fiel uns eben nicht ein.

Einen Bericht über die Grundwasserseen in unserer Nachbarschaft gibt es bereits, siehe hier. Wir sind immer noch gerne und regelmäßig dort, wo Sammy meistens ein paar Kumpels trifft, mit denen er über Dünen und ins Wasser springen kann. Diesmal haben wir aber statt Hunde die Landys genommen. Ziel war es, deren Fähigkeiten im Dreck und tiefen Wasser auszutesten, ohne gleich einen Motorschaden zu riskieren.



Fazit: Mit aktivierter Geländeuntersetzung schiebt sich der Discovery wie eine Dampfwalze durch die Fluten, ohne sich Probleme mit dem schlammigen Untergrund anmerken zu lassen. Auch die Türen haben dicht gehalten, nichts lief rein. Und neben dem Lerneffekt war das Ganze natürlich auch ein riesiger Spaß für das Kind im Manne. Fast wie früher mit dem Bonanzarad durch die Pfützen.


Jetzt hoffe ich nur, dass mein guter alter Disco bald vollständig austrocknet und dann aufhört, einen Weihnachtsbaum an Warnlampen auf dem Armaturenbrett anzuzeigen. Würde mich nicht wundern, wenn nach zehn Jahren im hiesigen Klima einige Kontakte oder Isolierungen angegriffen sind und deshalb die Sensoren spinnen. Aber es ist halt wie immer: No risk, no fun!

Sonntag, 27. Mai 2018

Fernsehtipps

Wenn es draußen mal wieder regnet (oder zu heiß ist) und das Bedürfnis an Dubai-Infos trotz meines Blogs immer noch nicht gestillt ist, dann möchte ich die folgenden "Sendungen" empfehlen. Sie haben gemeinsam, dass sie a) aktuell sind, b) keine "Fake News" verbreiten, c) hochwertig produziert und d) kurzweilig sind. Das unterscheidet sie vom allergrößten Teil dessen, was man sonst so über die Stadt, das Land und die Region finden kann.

1. Die flimmernde Macht der Emirate

Eine Arte-Dokumentation und ein schönes Beispiel dafür, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen, wenn es denn will, immer noch höchste Qualität liefern kann. Die zweiteilige Serie erklärt aufgrund der jüngeren Geschichte sehr anschaulich, welchen Einfluss die Emirate haben, warum es hier so dynamisch und turbulent zugeht, und warum ihnen gar nichts anderes übrig bleibt, als sich ständig zu verändern.



2. Ein Reisebericht über die VAE

Eine gründlich recherchierte, unaufgeregte Reportage, die so ziemlich alles abdeckt, was wir hier in den UAE auch selbst kennen und erlebt haben. Schöne Bilder, gute Kameraführung, etwas touristischer, aber nicht weniger informativ.


3. City of Life

Meines Wissens immer noch der einzige "Full Feature" Spielfilm aus den UAE - siehe auch ein früherer Beitrag. Er behandelt die unterschiedlichen Lebenswelten, die in Dubai aufeinander treffen. Die Handlung ist fiktiv, es handelt sich aber nicht um Fiktion, sondern um das Leben hier. (Der Upload ist gerippt und wird vermutlich nicht lange verfügbar sein.)



Montag, 21. Mai 2018

Pomp and Circumstance

Unser Hochzeitstagswochenendfeierlichkeiten waren mit der Bootstour keineswegs zu Ende, schließlich musste ich 20 Jahre vergessene Blumen, Pralinen und güldenes Geschmeide aufwiegen. Das geht schnell (budgettechnisch jedenfalls) wenn man im Burj Al Arab einen Tisch zum Afternoon Tea bucht:
Sky Tea in der Skyview Bar
Die Eleganz der Oberschicht. Auf der obersten Etage des Burj Al Arab Jumeirah gelegen, bietet die Skyview Bar genau das, was ihr Name verspricht: einen atemberaubenden Ausblick auf die Palm Jumeirah und die Inselgruppe The World. Erleben Sie die zeitlose Kultur dieses herrlichen Nachmittagstees, und genießen Sie die Auswahl an Tee, Kaffee, Sandwiches, Backwaren und Torten, nicht zu vergessen die köstlichen hausgemachten Konfitüren und die berühmte Devonshire Clotted Cream – ein sahniges Stück Himmel.

Yo, die Eleganz der Oberschicht! Genau das richtige für einen, der genau einen Anzug besitzt und Krawatten hasst wie die Pest. Aber zum Glück war nur Smart Casual erwünscht, eine menschenfreundliche Vorgabe bei unseren Temperaturen. Doch zunächst ein paar Fakten zur berühmten Lokation:

Zur Jahrtausendwende hatte sich Dubai mit dem ikonischen Burj Al Arab ein architektonisches Juwel ins Meer gebaut. Das Hotel war damals das höchste der Welt, 321 Meter hoch und so unverschämt luxuriös, dass man eigens eine Sieben-Sterne-Kategorie eingeführt hat. Tja, wer kann, der kann. 


Hier sieht man den segelförmigen "Turm der Araber", so die Übersetzung, kurz nach seiner Fertigstellung Ende 1999. Damals war die Küstenlinie noch kaum entwickelt, kein Kite Beach, kein Dubai Canal, kaum Infrastruktur, viele wilde Strände. Heute ist es das südliche Zentrum des Emirats, zusammen mit dem Jumeirah Beach Hotel, dem Madinat Jumeirah, der Palmeninsel und der Marina.

Mit diesem Projekt hatte sich Dubai endgültig auf die Tourismus-Landkarte gesetzt und damit einen wichtigen Schritt weg von der Ölabhängigkeit getan. Und deshalb ist es auch völlig unerheblich, ob das Hotel jemals Gewinn erwirtschaften wird - bei knapp einer Milliarde Dollar Baukosten und relativ wenigen Zimmern ist das wohl unwahrscheinlich. Es ging schlicht darum, Dubai weltbekannt zu machen. Das hat funktioniert, denn auch wer sonst nichts von Dubai weiß: Ein Bild vom Burj Al Arab hat fast jede(r) schon mal gesehen. Die Strategie ist also aufgegangen.

Das Hotel gibt sich dabei so exklusiv, dass man da nicht einfach mal so zum Gucken reinmarschieren kann, nein! Man muss zumindest eine Reservierung in einem der Restaurants haben, um vorgelassen zu werden. Der besagte Afternoon Tea, ein Sieben-Gänge-Häppchen-Event, ist hierzu mit die günstigste (ha!) Variante, und wer hat nicht schon mal von der weltberühmten Devonshire Cream gehört... Bitte ab jetzt also mit brav abgespreiztem Gesellschaftsfinger weiterlesen.

Zu Anfang ein Bild von der allerbesten Ehefrau und dem allerbesten Auto der Welt. Natürlich gibt es Valet Parking: Ein Diener, der Valet, fährt einem das Auto weg und später wieder vor.


Gleich danach wird einem klargemacht, was für kleine Brötchen man doch backt. Man beachte das Logo auf der Radnabe: Es dreht sich nicht mit.


In der Lobby ist alles schön bunt und pompös an der Grenze zur optischen Überreizung. Die vielen japanischen Bustouristen sind jedenfalls begeistert.


Den Tee gibt es in der luftigen Sky View Bar auf 200 Metern Höhe. Wie man es als Mitglied der eleganten Oberschicht erwarten kann, wird man von Harfenklängen umschmeichelt.


Auch wenn es etwas trüb war: Die Aussicht da oben ist schon sehenswert. Im Bild das Jumeirah Beach Hotel, im Dunst Dubai Downtown mit dem Burj Khalifa.


Gleich gibt es den Begrüßungschampanger. Wer es noch nicht wusste: So schenkt man ihn ein! Dazu wird der erste Gang gereicht: Zwei Datteln für jeden.


Hier sieht man eine glückliche Ehefrau nach dem sechsten Gang, einem sehr delikaten Zitronensorbet. Für den letzten Gang rechneten wir mit etwas Käse und Obst.


Aber von wegen. Es kam ein Burj voller englischer Deserts, der uns Wenigesser ziemlich überfordert hat. War aber alles sehr lecker.


Und obendrauf noch das berühmte Pfefferminzblättchen auf einem exzellenten, aber tonnenschweren Brownie.


Auf dem Weg nach draußen nahmen wir uns Zeit, das Hotel von innen zu bestaunen. Schließlich war dies einer der Gründe für den Ausflug.


Was im Burj wie Gold aussieht, ist auch Gold, das ist verbürgt. Man muss es ja nicht daheimrum haben, aber hier ist es stimmig. Basst scho!


Der Besitzer dieser anderen Ikone wird sich sicherlich auch eine Nacht im Burj Al Arab leisten können. Dem Valet Parking hat er allerdings nicht vertraut.


Zusammenfassend: Das war es wert! Wir haben endlich mal den Burj von innen gesehen, sehr fein gegessen, wirklich guten englischen Tee getrunken, dabei die Aussicht genossen, Leute (und Autos) geguckt und uns prächtig unterhalten. Und die berühmte Devonshire Clotted Cream? Wie der Name sagt: Schlagsahne mit der Zähigkeit von Butter. Pffft...



Samstag, 12. Mai 2018

Große Hafenrundfahrt

Wir wissen nicht woran es liegt, aber die beste Ehefrau von allen und ich vergessen immer unseren Hochzeitstag, wirklich jedes Mal, und das seit Jahrzehnten. Erst Wochen später fällt es uns ein, dann schauen wir uns an und lachen. Auch unsere Trauzeugen haben längst aufgegeben, uns daran zu erinnern. Da konnten wir es selbst kaum glauben, dass wir es diesmal rechtzeitig bemerkt haben, sogar noch am selben Tag! Kein Runder, aber mathematisch ist 4! doch genauso schön wie 52.

Ich habe sofort ein Dubai-typisches Event übers Internet gebucht, eine kleine Tour übers Wasser mit einem "Luxury Boat". Also einem Boot halt, nur dass man hier ohne Zusätze wie luxury, exclusive, premium etc. offenbar nichts mehr vermarkten kann. Zur blauen Stunde ging es los vom Pier 7 in der Dubai Marina. Eigentlich sollte es zum Atlantis-Hotel und zum Burj Al-Arab gehen, aber die Nachläufer eines Sturms vereitelten diesen Plan. So sind wir in Küstennähe geblieben und haben uns vom Wasser aus das Treiben vor und zwischen den Wolkenkratzern angesehen.





Ein schöner Zeitvertreib, genau das richtige für einen lauen Abend zu zweit. Ich bin ja ein großer Fan des Marina-Projekts, unserer Version von Hongkong, doch der Trubel dort erstaunt mich immer aufs Neue, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Vielleicht vermittelt der folgende kurze Clip einen Eindruck davon:


Freilich braucht man für richtig gute Aufnahmen eine andere Kamera und sollte dafür auch nicht auf einem schwankenden Boot stehen. Folgende Serie zeigt trotzdem nicht einfach nur verwackelte Bilder, nein, sondern natürlich Fotokunst:




Samstag, 5. Mai 2018

Neuzugang im Privatzoo

Unsere Haus(tier)gemeinschaft aus Hund, Katze, Schlange hat gänzlich ungeplanten Zuwachs bekommen: Einen Halsbandsittich, ein junger Hüpfer, der aus unbekanntem Grund seine langen Schwanzfedern verloren hat und somit nicht mehr fliegen kann. Im Internet ist nachzulesen, dass diese zur Balance unerlässlich sind und in wenigen Monaten nachwachsen.

Jedenfalls saß der Kleine völlig verängstigt mitten auf dem Gehweg und hätte "da Katz ghert", sprichwörtlich, wenn Sammy und ich ihn nicht eingepackt hätten. Jetzt sitzt er in seinem Käfig und will natürlich raus. Hat wohl schon vergessen, dass er nicht fliegen kann! Ein lebhaftes Kerlchen, kann zwicken wie ein Großer. Mal sehen wie es weitergeht mit ihm. Nächste Woche werde ich mir bei einer Vogelklinik Rat holen. Vielleicht haben die dort eine große Voliere, wo er wenigstens etwas Gesellschaft hätte, bis er freigelassen werden kann.

Bis dahin sitzt er morgens und abends lange auf dem Balkon und sieht seinen Artgenossen zu. Er ruft nach ihnen, und ab und zu kommt einer und leistet ihm Gesellschaft. Sehr sozial, very cute! Auf den Bildern sind deren Schwanzfedern gut zu erkennen.





Die grünen Kleinpapageien gibt es in unserer Green Community zuhauf, neben einer Menge anderen Getiers (siehe dieser Beitrag), das einen in der Regel erfreut. Aber nicht überall sind die putzigen Papageien gern gesehen: In Indien zerstören große Schwärme manchmal eine ganze Farm, und auf den nahen Seychellen werden sie zu Recht abgeschossen, da sie die endemischen Vogelarten verdrängen. Immerhin zieht dieses Argument hier nicht. Wenn es danach ginge, dürfte es hier am Dubai Creek nicht viel mehr geben als ein paar Schlangen, Echsen und Skorpione sowie ein Stamm Nomaden mit ihren Kamelen und Fischerbooten. So wie es eben vor 70 Jahren der Fall war.

Jetzt aber ist hier praktisch alles invasiv, gerade wir Menschen. Und von denen vor allem die, die in Panik geraten, wenn sich mal eine einheimische Sandviper, die schon lange vor uns da war, in unsere Community verirrt. Unsere altbekannten Desperate Housewives, wie immer schwer aktiv in unserer Facebook-Gruppe Green Community Ladies, rufen dann fix nach Vergiftungsaktionen von seiten der Verwaltung, können dabei aber keine Viper von einem gewöhnlichen Skink unterscheiden.


Immerhin, eine Stimme der Vernunft am Ende. Wer der hiesigen Fauna und Flora auch nur ein bisschen Interesse entgegenbringt, kann sofort sehen, dass das kein harmloser Wadi Racer ist, sondern eine giftige Saw Scaled Viper. Statt einer Massenhysterie zu verfallen, ruft man da die Stadtverwaltung. Sie schicken jemanden, der die Schlange fängt und zurück in die Wüste bringt - Ende der Geschichte.