Sonntag, 15. Oktober 2017

Der kleine Punk und ich

Carls Musikgeschmack ist kürzlich von Rock über Hard Rock auf Metal übergegangen. Passend dazu hat er sich einen leichten Mohawk schnipseln lassen, soweit es die Schulordnung eben zuließ. Haartechnisch kann ich da zwar nicht mehr mithalten, musikalisch aber schon.


Da traf es sich gut, dass Dream Theater in die Stadt kamen. Die Band spielt Progressive Metal, also technisch anspruchsvollen, aufwendig arrangierten Rock und Metal. Aus der Konserve tue ich mir das zwar selten an, live ist das allerdings eine ganz andere Nummer.

Als Referenzstück für Interessierte bietet sich The Dance of Eternity an, besonderes der dreiminütige Ausschnitt ab 2:10. Man beachte den 6-saitigen Bass und die 7-saitige Gitarre! Und wie immer gilt die Regel: Der Bassist ist immer der Coolste.

Die Gruppe ist seit 25 Jahren unterwegs, alles studierte Musiker und anerkanntermaßen mit die Besten ihres Fachs. Gitarrist John Petrucci ist wenige Tage älter als ich, und wenn wir auch nicht unsere Gitarrenfähigkeiten gemeinsam haben, so doch zumindest den zurückweichenden Haaransatz.

Er spielt schnell, unglaublich schnell, 20 bis 30 Noten pro Sekunde, aber kein Eddie-Van-Halen-Shredding sondern präzise Melodiefolgen. Was das bedeutet, sieht man sehr schön bei diesem Mitschnitt ab 3:39. Spätestens bei 3:52 stellt jeder Hobby-Shredder seine Klampfe weinend in die Ecke.




Von führenden Rockmusikern empfohlen: Ohrenstöpsel. Die waren das Wichtigste überhaupt. Carl hat mich anfänglich noch ausgelacht, aber nur bis zum ersten Akkord. Die Bässe im Magen gehören dazu, klar, aber wenn im Kopf nur noch verzerrter Lärm ankommt, weil das Trommelfell am Anschlag ist, wo ist dann der Sinn? Ich hab noch nie kapiert, wie die Leute das aushalten. Carl ist jedenfalls genauso lärmsensibel wie ich und war heilfroh um die Dinger.

Auch der Kamera habe ich Ohrenstöpsel verpasst (dicker Gummipuffer vorm Mikrofon), und trotzdem ist mein Bootleg leicht verzerrt. Tolle Lightshow, immerhin. Virtuose Solis ab ca. 4:00, 8:00 und 17:30, und ein bisschen Metallica ab 19:00. Ein Spitzenkonzert über knapp drei Stunden.


(Auch interessant: Das komplette Dark Side of the Moon Album, eine echte Hommage, da exakt und mit beträchtlichem Aufwand nachgespielt. Allein der analoge Synthesizer, eine ganze Wand, ist sehens- und hörenswert.)

Dienstag, 10. Oktober 2017

Unser Fliewatüüt

Der eine oder die andere hat's vielleicht in den News gesehen: Demnächst gibt es bei uns fliegende Taxis. Bis zur Serienreife wird noch einige Zeit vergehen - und auch dann möchte ich nicht unbedingt der erste Fluggast sein - doch bis dahin freue ich mich, dass hier eine deutsche Firma, Volocopter, ganz vorne mit dabei ist.


Doch die Konkurrenz schläft nicht, denn eben erst hat Boeing den Lufttaxi-Pionier Aurora akquiriert. Hier geht es also nicht mehr nur um eine fixe Idee, sondern um die urbane Lufthoheit der Zukunft. Wenn ich an den Lärm denke, den allein meine kleine Hobbydrohne gemacht hat, dann wird das eine laute Zukunft. Mit der Verdrängung fossiler Autos sollte es eigentlich ruhiger werden in den Städten, nicht umgekehrt!

Das sind freilich alles kleine Brötchen, die da gebacken werden. Während ich mich ganz bescheiden über die ersten Tesla Taxis in Dubai freue, ist Tony Stark schon ein paar Lichtjahre weiter: Wir fliegen mit Raketen zu jedem beliebigen Punkt auf dem Planeten in maximal einer Stunde. Und zum Mars sowieso, alles mit dem gleichen System, der Big Fucking Rocket (ja, heißt tatsächlich so). Aber nicht erst irgendwann, sondern schon 2024. OK, "frühestens", aber selbst wenn es zehn Jahre später passieren sollte, wäre das ziemlich irre.

Die kleinen UAE mit den großen Zukunftsplänen wollen da mit von der Partie sein. Und was liegt näher als eine Kolonie-Simulation, denn die Landschaft hier ist der Marsoberfläche nicht unähnlich.


Häuserwände sollen dabei aus Wüstensand mit einem 3D-Drucker hergestellt werden. Das ist insofern interessant, da Wüstensand bisher zu nichts zu gebrauchen war, schon gar nicht für Beton. Doch offenbar gab es kürzlich einen technologischen Durchbruch. Gedruckte Häuser mitsamt Inneneinrichtung haben wir ja eh schon, ist klar.


Auch unsere technikverliebte Polizeitruppe möchte hoch hinaus. Auf der Horizontalen haben sie schon alles, was man für ein bisschen Spaß im Berufsleben braucht:


Mit der Technologie wachsen die Ansprüche, also wird schon mal ein Nullserienmodell eines sog. Hoverbikes umlackiert und zur Schau gestellt. Das etwas traurige Video auf der Website des Herstellers lässt vermuten, dass wir das nicht so bald in Aktion sehen werden. Oder vielleicht doch?


Noch ein Gadget: Dieser putzige Geselle muss aufpassen, dass er nicht von seinem großen Kollegen plattgefahren wird. So ein Nissan Patrol würde das gar nicht bemerken. Der Kleine ist ein halbautonomer Robocop mit eingebauter Drohne und soll in autofreien Zonen Patrouille fahren.


Er wird sicherlich viele Fans haben, und er wird sie alle beim Namen kennen, denn: Er ist mit einem Gesichtserkennungssystem ausgestattet, das jeden identifiziert, den er vor die Linse bekommt. Wer in die UAE reist, darf nämlich bei der Passkontrolle kurz in ein kleines Gerät schauen, und schon ist man drin in der Datenbank. (Wer es noch nicht weiß: Auch in den Flughäfen wird mit Hilfe von ca. 12,000 Kameras 100% Gesichtserkennung betrieben.)

Abgesehen von diesen (Noch-)Spielereien gibt es aber auch ernsthafte Anwendungen, so zum Beispiel Verkehrsüberwachung via Kameradrohnen, oder die Dubai Police App für Smartphones. Dort kann man nicht nur seine Strafzettel blechen, sondern auch kleinere Unfälle abwickeln, ohne die Polizei zu rufen. Einfach Fotos und Hergang hochladen, und hoffen - insha'Allah - dass der Beamte vor dem Bildschirm einen guten Tag hat.

Samstag, 30. September 2017

Kurze Urlaubsnachlese

Als Wüstenbewohner vermisse ich nach einiger Zeit doch immer das Grün der Wiesen und Wälder in Deutschland und Europa. Und wo sind die Wiesen grüner und Deutschland schöner als in den bayerischen Alpen? Nirgendwo!

Für eine viel zu kurze Woche sind wir dort hin, wo wir früher immer langlaufen waren: Im Örtchen Krün inmitten des Karwendelgebirges. Was wir dort besonders mögen, ist, mal abgesehen von der kurzen Anfahrtszeit, das helle, weite Tal mit seinen Seen und Gebirgszügen im Hintergrund.



Leider ist auch hier der Klimawandel längst zu spüren: Im Winter gibt es weniger Schnee, im Sommer häufiger Felsabgänge, da der Permafrostboden in den höheren Lagen keiner mehr ist.

Nichtsdestotrotz, das Geschäft brummt, man sieht den Einheimischen ihren Wohlstand an, die Gästehäuser sind top in Schuss. Unten ein Blick aus unserem Schlafzimmer. Das ist aber mal ein Panoramafenster!


Das gemischte Wetter hat uns von Wanderungen auf die Almen der Umgebung nicht abgehalten. Richtige Touren über Fels sind mit den Flachlandtirolern, zu denen sämtliche Mitglieder meiner Familie zählen, leider nicht möglich, damit muss ich leben. Was soll's, gibt's eben ein Weizen extra auf der Hüttn.


Wenn es regnet, geht man am besten gleich dahin, wo es eh schon nass ist, nämlich in die Partnachklamm. Immer wieder spektakulär, im Sommer wie im Winter. Danach zur kurzen Jause hoch zum Eckbauern und mit der historischen Gondelbahn zurück nach Garmisch-P.



Überrascht haben mich arabische Verkehrsschilder um den geschichtsträchtigen (und auch -vergessenen) Garmischer Olympia-Skistadion, die beim letzten Mal noch nicht dort standen. Ein Blick aufs neue Wandervolk ließ mich dann auch fast wie zu Hause fühlen.


Bild rechts: Wie sehr sich doch die bei uns gepflegte, eher angelsächsisch geprägte und auf Höflichkeit bedachte Sprachkultur von der lokalen Lederhosendiktion unterscheidet. Für eine Sekunde war ich glatt versucht, mit Absicht DANEBEN ZU BRUNZEN!!!, besann mich jedoch meiner Erziehung und vor allem darauf, dass ein solches Statement am vermutlich ironiefreien Personal wohl verloren wäre. (!!!)

Samstag, 16. September 2017

Runter kommen sie alle!

Ich hab's getan! Was seit vier Jahren ganz oben auf der Bucket List steht, ist nun endlich abgehakt: Mal aus einem Flugzeug springen und sehen, wie das ist. In meinem Fall (Wortspiel, hoho) war das ganz toll.


Und das ausgerechnet an "Nine Eleven". Das Datum war reiner Zufall, der gelungene Ablauf eher nicht: Mein Partner, ein Armee-Veteran aus Moldawien, hat rund zwölftausend Dives hinter sich. Weitere Fragen erübrigen sich da, angesichts des stark binären Ausgangs einer solchen Unternehmung. Rein statistisch gibt es also keinen Grund zur Sorge, dass man den Möllemann machen könnte.

Der Reihe nach: Man bucht einen Termin bei Skydive Dubai und drückt wie üblich das Doppelte ab, was es in Europa kosten würde. Dann wird gewogen: Wer mehr als 100 Kilo auf den Rippen hat, bleibt am Boden. Der Partner wird zugeteilt, stellt sich kurz vor, legt einem das Gurtzeug an und gibt fünf Minuten Einweisung. Zu beachten gibt es nicht viel: In die Hocke beim Absprung, Banane machen nach dem Sprung, Beine anziehen bei der Landung, das ist schon alles.

Während sozusagen das letzte Stündlein schlägt, hat man noch ausreichend Gelegenheit, sich still über das ultralässige Skydive-Team zu amüsieren. So ostentativ cool, es tat schon fast weh. Ich kam zu dem Schluss, dass man die alle vom kalifornischen Strand und in Miami Beach aufgeklaubt hat. Der Springergruß geht offenbar so: Man klemmt sich das Skateboard unterm Arm, schaut grimmig, zeigt mit spitzem Finger und ausgestrecktem Arm auf seinen Kumpel und sagt laut "Yo!".


Mein Anatoli war die angenehme Ausnahme und hat sich an dem Zirkus nicht beteiligt. Er springt ca. sechs bis sieben Mal am Tag mit einem hibbeligen Touri vor dem Bauch, und ich wollte wissen, ob ihm das noch Spaß macht. Die schöne Antwort kam mit einem Schulterzucken und leicht gequältem Blick: It's a job. 


Dann ging es hoch auf 4000 Meter. Ich saß gleich an der offenen Tür, das war schon eine Schau für sich. Zwischendurch sprangen ein paar Profis alleine ab, der eine noch mit Handy in der Hand. Wir durften winken, als er sich rausstürzte und dabei filmte. Dann war ich dran, zum Glück als erster. Anatoli hat kurzen Prozess mit mir gemacht: An die Kante und, hops, raus. Ja, da muss man auch mal loslassen können, ha!



Der freie Fall war spektakulär und ohrenbetäubend laut. Auf halber Höhe zog Anatoli die Leine, es gab einen Ruck und der Fallschirm war auf. Yo!


Fortan hing ich im Seil und genoss die Aussicht. Das Wolkenkratzerpanorama der Marina aus der Luft betrachtet war phantastisch. Wir segelten in weiten Bögen nach unten und landeten wie geplant, das war's. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange es gedauert hat - vermutlich nur wenige Minuten.


Ich kann nicht behaupten, dass ich Schiss hatte, aber gscheit aufgeregt war ich schon! Der Verstand sagt einem zwar, dass nichts passieren wird, die Instinkte empfehlen aber dringend, sich nicht ins Nichts zu stürzen. Diese Barriere muss man überwinden, und daher kommt der Kick. Der Rest ist endkrasse Gaudi beim Fallen und stiller Genuss beim Gleiten.

Die ganze Zeit prasselten so viele Eindrücke auf mich ein, dass meine CPU kaum hinterher kam. Die ist eigentlich nicht langsam, aber ich bin eben auch keine zwanzig mehr. Überhaupt war ich an dem Tag der älteste Gaul. Der Rest waren typische Vertreter des Dubai-Jungvolks, und manchen schienen die Aufnahmen für ihr Instagram und Twitter wichtiger zu sein als das eigentliche Erlebnis.

Klar freue ich mich über die Bilder, trotzdem hat mich der Kameramann leicht genervt. Der springt nämlich mit - ein Kunde, zwei Profis, was für ein Aufwand - und flattert dabei ständig um einen herum, ob am Boden oder in der Luft.



Insgesamt eine irre Erfahrung, wirklich klasse! Wer nicht gerade unter starker Höhenangst leidet, sollte das mal gemacht haben im Leben. Ich für meinen Teil will nochmal springen, aber dann über der Wüste und ohne Kamerafuzzi vor der Nase.

Gerade noch auf YouTube entdeckt: Neulich sprang Anatoli mit Will Smith, siehe hier. Zum Schießen komisch, wie Will Smith sein Erlebnis in einer Talkshow zum Besten gibt, sehenswert. Ich hatte übrigens ein ganz normales Frühstück.

Sonntag, 10. September 2017

Auf in die Verlängerung

Willkommen zur ersten Episode von Staffel 5 der Serie "Neues aus den Emiraten, auch wenn's langsam weniger wird". Mal sehen, vielleicht steht am Ende das Große Finale - hängt ganz von der guten alten Dubai Bucket List ab, und ob ich meine momentane Schreibfaulheit überwinden kann.

Heute war der erste Schultag, und prompt verstopften die Autos die Straßen. Die deutsche Schule hat schon wieder einen neuen Schulleiter und auch sonst viele neue Kräfte. Wie das halt so ist in einem Expat-Land wie den UAE. Auch mein Projekt nimmt endlich wieder Fahrt auf, und vielleicht wird das Ding bis 2019 ja wirklich fertig.

Die Ölkrise geht weiter, es ziehen mehr weg als zu, und die Mieten sacken ab. Unser Landlord ist schon von sich aus um 10% runtergegangen, nur um uns zu halten. Er weiß eben, was er an uns hat. Das gesparte Geld wird leider gleich vom schwachen Dollar aufgefressen, an den der hiesige Dirham gekoppelt ist. Dazu kommt die für 2018 geplante Einführung einer Mehrwertsteuer von ca. 5%. Alles halb so schlimm, wir jammern bloß gern auf hohem Niveau.

In der öffentlichen Kasse ist immer noch Ebbe, der Staat braucht dringend Geld und holt es sich von seinen Expats. Sei es durch die VAT, durch kreative "Gebühren", oder eben teurere Speeding Tickets (seufz!). Selbst die skurrile Knowledge Fee, die auf jeden Strafzettel draufgeschlagen wird und von der keiner weiß, was sie soll, wurde verdoppelt.

Grund für die Flaute ist, wie gesagt, der zu niedrige Ölpreis. Dubai macht zwar nur 10% seines BIP mit Öl, jedoch werden davon die Staatsgehälter bezahlt, sprich, die eigene Bevölkerung. Und die will bei Laune gehalten werden. Eingebrockt haben es ihnen und uns die Saudis, ihre "Brüder" mit der Dumpingstrategie - ein grandioses Eigentor!

Gebaut wird trotzdem noch wie irre. An jeder Ecke stehen die Kräne und Rohbauten aus Beton und Ziegel. Der Motor dafür ist die Expo 2020 und der Hype, der um sie gemacht wird. Demnächst steht die Eröffnung des neuen Zoos in Dubai an, sowie des Louvre in Abu Dhabi. Wir werden berichten.

Die arabische Seifenoper namens Katarkrise geht ebenfalls weiter, ebenso das "Engagement" (Völkermord trifft es wohl besser) im Jemen. Der strategische Blindgänger nebenan macht einen auf Weltmacht, möchte sich profilieren auf Kosten hunderttausender Menschenleben, und die kleinen Nachbarn buckeln. Dafür hat mein Gastland viel an Ansehen bei mir eingebüßt, ich kann mir nicht helfen.

Soviel zur Großwetterlage. Ach ja, Wetter. Auf dem absteigenden Ast, es geht also aufwärts. Die neue Offroad-, Wander-, Wüsten-, Camping- und Strandsaison ist schon fast da. Das SUP-Board wartet auf seinen Einsatz, denn noch ist der Golf eine brühwarme Salzlake mit null Erfrischungseffekt.

Traditionsgemäß waren wir zum Auftakt wieder in der Dubai Opera, diesmal beim Don Giovanni. Ich geh da aus diversen Gründen gerne hin: Um ein bisschen Hochkultur mitzukriegen, zum Leute gucken, und um den einzigen Anzug, den ich besitze, ab und zu mal zu lüften. Nach knapp drei Stunden mediokrer Geisterbeschwörung haben mir dann aber doch die Ohren geblutet.

Demnächst kommen Status Quo in die Oper! Offenbar gibt es einen Rollstuhlzugang zur Bühne. Bin eigentlich viel zu jung für die, muss ich mir aber ansehen, als Ausgleich. Tiefkultur, sozusagen. Jetzt aber Gute Nacht!

Dienstag, 18. Juli 2017

Hoppla, schon wieder Sommerpause!

So schnell fliegen vier Jahre an einem vorbei! Vier Jahre, fünf Prozent vom Leben!!! Selbst ein Pils hat weniger Alkohol! Ist nur schneller weg.

Das Flughafenterminal in Abu Dhabi, mein Projekt, sollte nun eigentlich fertig sein und kurz vor der Eröffnung stehen. Leider hat da der Main Contractor, ein Konsortium aus Türken, Griechen und Arabern, die Rechnung ohne den Babylon-Faktor gemacht. Der Bauverzug erreicht langsam Berliner Dimension und hat auch ähnliche Ursachen. Der Unterschied liegt bestenfalls darin, dass man von Berlin eh nicht erwartet, dass mal was funktioniert, bei den Großprojekten hierzulande aber durchaus. Jetzt kämpfen wir um unser Geld, denn jeder extra Tag auf der Baustelle ist teuer.

Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, dann würden wir dieser Tage unsere Zelte abbrechen, die Kamele satteln und weiterziehen. Vielleicht nach Deutschland, vielleicht auch nicht - neue Projekte gibt es genug in den schönen Ecken der Welt. So aber werden wir wohl noch zwei Jahre dranhängen, weiterhin Sonne und Meer genießen und Berge und Wüsten erkunden. Das geht völlig in Ordnung, no problem! 

Die Burg in Dubai wird momentan nur noch von Johanna und Sammy gehalten. Seit knapp einer Woche bin ich in der alten Heimat und genieße die Kontraste in klimatischer und sonstiger Hinsicht. Links Dubai, rechts Schweinfurt - rein allegorisch gemeint, versteht sich.

 

Zum Blogschreiben werde ich hier nicht kommen, über was auch. Somit läute ich besser die vierte Sommerpause ein, bevor wir im Herbst in die Verlängerung gehen. Auf unserer Dubai Bucket List stehen noch eine ganze Reihe Dinge, die nicht durchgestrichen sind. Daran müssen wir in der nächsten Saison arbeiten und natürlich auch berichten.

Nachtrag: Natürlich tue ich der fränkischen Kleinstadt unrecht mit dem Bildvergleich. Erstens sind die beiden Orte viel zu verschieden, um sie überhaupt vergleichen zu wollen. Zweitens ist der lustige Automat (wie bin ich bisher nur ohne Reisemuschi zurechtgekommen?) sicher auch in Berlin zu finden. Und drittens hat unser Kaff auch schöne Seiten, die mit vielen Kindheitserinnerungen aufgeladen sind. So zum Beispiel unser alter Baggersee, der heute bei wunderbaren 30 Grad im Schatten sehr einladend war:


Sonntag, 9. Juli 2017

Zweifache Hundstage

Fast täglich erreichen wir die 40 Grad im Schatten, und ab 40 aufwärts wird's draußen wirklich ungemütlich. Einfach selber ausprobieren: Ofen auf 200 Grad Umluft und Kopf reinstecken.

Da kommt man leicht auf abwegige Gedanken, etwa dass man einen zweiten Hund adoptieren könnte, weil's ja im Haus schon wieder leerer geworden ist. Gerade jetzt gibt es genug arme Fiffis zur Adoption, denn immer zum Schuljahresende, wenn die große Expat-Rotation einsetzt, werden leider auch viele Vierbeiner einfach in die Wüste geschickt, sprichwörtlich. 

Ein richtiger Wüstenhund ist der persische Windhund, der Saluki. Eine ganz alte Rasse, unverfälscht, rasend schnell, freundlich und intelligent. Ein solcher war bei Bekannten von uns als Foster Dog (Pflegehund) untergekommen und suchte noch nach einem Forever Home, wie man hier so schön sagt.


Sie heißt Amal, arabisch für Hoffnung, ist ca. 9 Monate alt, und durfte uns für eine Woche auf Probe besuchen. Ein Prachtexemplar in Bezug auf Statur und Fell, aber wie alle Rescue Dogs mit einer traurigen Vergangenheit, hungerte monatelang in einem Käfig in der Sonne in ihren Exkrementen, bis ihre Haut verbrannt war.

Der Saluki ist der einzige Hund, der von Arabern akzeptiert wird, da er als Jagdhund arbeitet. Trotzdem ist er haram, unrein, und darf nicht ins Haus. Denn wenn da ein Hund ist, kommen keine Engel mehr zu Besuch! Ja, so ist das mit den gesellschaftlich akzeptierten Wahnvorstellungen. Offenbar sagen diese Engel auch, dass man andere Geschöpfe nach Belieben quälen darf.


Glücklicherweise hat sich Amal von diesem Trauma bei ihren Foster Parents weitgehend erholt. Dass sie trotzdem viermal am Tag ins Haus gepinkelt hat, war sicher noch ein Überbleibsel aus dieser Phase. Lang lebe Fliesenboden und Wischmob!

Amal war lieb, anhänglich und blitzgescheit, aber letztlich haben wir sie nicht behalten. Ich musste einsehen, dass ich ein Ein-Hund-Mensch bin, die zwei waren zuviel für mich. Auch Sammy war für Amal nicht der richtige Partner. Sie mochten sich zwar, aber viel Interaktion war nicht. Ich glaube, Sammy war einfach zu langsam für Amal, und wir waren es auch. Trotzdem, ein toller, schöner Hund. Jetzt ist sie wieder zurück bei den drei Salukis ihrer Pflegeeltern, dort ist die Action.

Action gab es außerdem am vergangenen Wochenende, dem stürmischsten bisher. Wir hatten die Idee, eine Wüstentour zu machen (im Juli!) und sind bei praktisch null Sichtweite in den Sandsturm hinein gefahren.


Wenig überraschend: Wir waren weit und breit die einzigen Spinner, die noch unterwegs waren. Zwischendurch hat die Wüste sogar einmal versucht, mich aufzufressen.


Ein Meter weiter rechts wäre kein Treibsand gewesen, aber es ist nun mal dessen Eigenschaft, dass man ihn nicht sieht, es sei denn, man ist Beduine. Egal, ich bin gar nicht erst ausgestiegen, sondern hab mich kurzerhand rausziehen lassen.

Das war nun aber definitiv die letzte Tour der Saison, denn bald geht's ab nach Good Old Germany.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Draußen 40, drinnen minus 5

Es ist schon lange her, dass wir von Abfahrtski auf Langlauf umgestiegen sind - irgendwann wurde uns dieser ganze Skizirkus und der Anblick mancher Hänge im Sommer einfach zuviel. Langlauf ist mehr unser Ding, und es sind diese Skiurlaube im schönen Karwendel mit der ganzen Familie, die ich als einziges wirklich vermisse, seit wir in die Wüste gezogen sind.

Nicht ganz konsistent mit obigem Umweltbezug war es daher, als ich mit Johanna nach ihren Prüfungen ins Ski Dubai bin, um dann doch endlich mal wieder einen Schneehang runterzurutschen. Dort war ich das letzte Mal vor zehn Jahren, aber mit Skifahren ist es bekanntlich wie mit dem Radeln: Man verlernt es nicht und die Gaudi wird auch nicht weniger.

Ski Dubai ist eine unserer größten Attraktionen, kann mit seinen 12 Jahren seit Eröffnung schon als Klassiker bezeichnet werden, steht auf meiner Dubai Bucket List und ist somit ganz klar für einen Blogbeitrag qualifiziert.


Es geht dabei nicht nur ums Skifahren, sondern um Spaß - Pinguine inklusive - für die ganze arabische Großfamilie, die vielleicht noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen oder richtige Kälte verspürt hat. Die eigentliche Skipiste ist 400 Meter lang, nach rund 30 Sekunden steht man wieder unten. Anscheinend hat sie sogar einen "schwarzen" Abschnitt. Zum Glück gibt es einen recht flotten Schlepplift ("For experts only"), der einen schnell wieder hochbringt.

Nicht-Skifahrer lassen sich von dem Sessellift in der Mitte der Halle einmal rauf und wieder runter gondeln, zum Spaß und im Schneckentempo. Natürlich hat er eine Mittelstation mit "Wirtshaus" - auf Hüttenzauber mit Jagertee sollte man aber nicht hoffen. Wer dem Trubel stilvoll zuschauen möchte und viel Kleingeld hat, der kann sich im angeschlossenen Kempinski ein "Aspen Ski Chalet" mit Blick auf die Piste buchen.





Johanna und ich haben's nach zwei Stunden Dauerfahren im Cafe St. Moritz bei heißer Schokolade und Kaminfeuer gemütlich ausklingen lassen. Siehe letztes Bild: Das Feuer war ein Film auf einem Bildschirm - insofern stilecht, da passend zur brutalen Künstlichkeit dieses Entertainmentmonsters.

Bei einer Innen-Aussen-Temperaturdifferenz von bis zu 50 Grad stellt sich natürlich die Frage nach dem Energiehunger des Monsters, und wie sich dieser verhält zu anderen Großanlagen wie z.B. deutsche Skihallen oder Schwimmbäder. Also fing ich an zu recherchieren, und siehe da, nix genaues weiß man nicht. Was man an Informationen finden kann, weicht teilweise um mehrere Zehnerpotenzen voneinander ab. Je nach politischer Einfärbung findet man lächerlich kleine und gigantomanisch große Werte, durch keine Überschlagsrechnung gestützt. Außerdem hängt es stark davon ab, ob die AutorInnen den Unterschied zwischen Leistung und Energie überrissen haben und dabei nicht auch noch mit Kilo-, Mega- oder gar Gigawatt(stunden) durcheinander kommen. Viele scheitern hier kläglich, überraschend ist es nicht. Je nach persönlichem Halbwissen und Kombination falscher Faktoren kommt dann der Energieverbrauch einer grasenden Kuh oder der Großstadt Hamburg dabei heraus.

Dazwischen liegt irgendwo die Wahrheit. Sie dürfte bei denen zu finden sein, die so ein Ding entwerfen, kalkulieren und bauen können. Die Fachzeitschrift Construction Week gibt hier einen plausiblen Wert von 4 MW durchschnittlicher Leistungsaufnahme an. Das ist viel, kein Wunder, im Vergleich zum Gesamtwert der angeschlossenen Mall of the Emirates von 52 MW aber eher wenig. Hinzu kommen 30 Tonnen "Neuschnee" pro Nacht, also 30,000 Liter Wasser, das von der Entsalzungsanlage in Jebel Ali gewonnen werden muss. Shinebar shocking, aber: Diese arbeitet mit dem (relativ!) energiearmen Reverse-Osmose-Prinzip und einem Wirkungsgrad von über 80%. Der Energieeinsatz für diese 30 Kubikmeter stellt sich selbst bei pessimistischer Annahme (12 kWh/cbm wegen hohen Salzgehalts) als vernachlässigbar zu den 4 MW heraus.

Das soll jetzt keine Absolution sein, aber das ist nun mal der Preis, wenn man eine Riesenstadt in die Wüste baut, wo bis vor kurzem nur Kamele zwischen Schlangen und Skorpionen sowie ein paar Fischer und Perlentaucher anzutreffen waren. Die Moralkeule bleibt besser stecken, denn auch Europa hat jede Menge Energiefresser (und ein Dieselproblem). Das Land ist nicht stolz auf seinen Ecological Footprint und unternimmt einiges, um ihn mit modernster Technologie und Milliardeninvestitionen zu reduzieren (deren Wertschöpfungskette, nebenbei bemerkt, über die halbe Welt reicht, also bitte kein Neid auf unsere Yachtenbesitzer) und sich so für das postfossile Zeitalter zu rüsten. Weiterführende Artikel: Dieser und jener und viele andere.


Mittwoch, 7. Juni 2017

Ramadantohuwabohu

Wir sind mal wieder mitten im Fastenmonat der selbsterklärten Religion des Friedens. Also häufen sich die tödlichen Unfälle auf den Straßen, und die Toten durch islamistischen Terror häufen sich auch. Mithin nichts Besonderes, sondern der ganz normale Wahnsinn. Eine andere Art von Wahnsinn ist, dass man hierzulande beim Fasten zunimmt. Dies beweist die Statistik und belegt dieses extra-große, extra-preiswerte Ramadan-Sonderangebot für einen bekannten Brotaufstrich:


Da greift man auch als Ungläubiger gerne zu. Für andere läuft es ungefähr so ab: Aufstehen mitten in der Nacht, nämlich kurz nach drei, damit vor dem Morgengebet noch auf Vorrat gefuttert und getrunken werden kann. Tagsüber im Büro möglichst wenig verbocken, während einen Durst und damit verbundener Brummschädel aufgrund Gehirnschrumpfung quälen. Am frühen Nachmittag nach verkürzter Arbeitszeit völlig dehydriert, die meisten noch auf Nikotinentzug und daher gar nicht aggressiv, nach Hause rasen - alle gleichzeitig natürlich - und am besten keinen dabei totfahren (falls doch: "It was God's will"). Die Zeit bis zum Iftar mit möglichst wenig Bewegung irgendwie rumbringen, dann Binge Eating mit Beten und geselligem Beisammensein, gegen Mitternacht ins Bett. Und nach rund drei Stunden Schlaf geht's von vorne los...

---

So, an dieser Stelle stand bis eben noch eine kritische Abhandlung über den momentanen Affenzirkus um Katar, über Saudi-Arabien, Lügen, Doppelmoral, Arschkriecherei und der Rolle des orangegelben Gottseibeiuns. Aber während ich schrieb und recherchierte, wurde folgender Artikel von unserer vollzensierten Staatsgazette Gulf News ins Netz gestellt:

http://gulfnews.com/news/uae/government/qatari-sympathisers-to-face-fine-jail-1.2039631

Bäng, eine vorn Latz geknallt bekommen. Danke für die Erinnerung, dass man keine andere Meinung als die des Staates haben darf. Vorsichtig muss man sein, klar, denn wir Expats sind ja nur Gäste. Aber solche Deutlichkeit ist durchaus neu. Wie uncool, wie unsouverän.

Ohnehin überschlagen sich die Meldungen gerade: Der alles auslösende Hacker-Angriff war scheints von den Russen (die schon wieder), und in Teheran gab es einen Terroranschlag, der in direkten Zusammenhang mit der Katar-Krise stehen und daher als Kriegsgrund herhalten könnte.

Mal sehen wie's ausgeht, möglich ist alles: Qatar gibt klein bei, der Anschlag in Teheran hat nichts damit zu tun, alles beruhigt sich innerhalb von zwei Wochen. Oder Saudi blockiert die Seewege um Katar, hungert es aus und marschiert als Aggressor (Verzeihung: Befreier) kurz danach ein. Oder der Anschlag ist kein Zufall, Teheran mischt sich ein und es kommt zum Krieg - alles ausgelöst vom Großen Geisteskranken aus Amerika.

Besser schon mal die Koffer entstauben. Dieser Videobeitrag (Link) bietet eine Interpretation der Hintergründe zur Krise. Ein deutsches Highlight auch diese Meldung (Link). Absolut nichts, was nun die Moralheuchler quer durch die Fraktionen von sich geben, ist neu in Bezug auf Katar. Und dabei geben sie auch noch vor, die Geschichte vom alleinigbösen Emir zu glauben, während wir weiterhin Leos an die Saudis liefern. Mir fehlen die Worte.