Donnerstag, 29. September 2016

Differenzieren, bitte!

Ich erlebe manchmal, dass Leute in Deutschland, sobald sie erfahren, dass wir in Dubai leben, nicht so genau über die Region Bescheid wissen. Das ist schon in Ordnung, denn: It's complicated, und nicht jeden interessiert's. Muss es auch nicht, aber amüsant ist es trotzdem, wenn die kleinen UAE mit dem riesigen Saudi Arabien verwechselt werden. "Ohgottogott, da darf deine Frau ja nur mit Burka raus, und Autofahren darf sie auch nicht!!!". Ja, aber dafür darf ich sie aufessen, wenn ich hungrig bin, ha!

Alles Quatsch natürlich, aber solange solch offensichtliche Enten verbreitet und geglaubt werden (man möchte es ja zu gerne, gell, passt ins Vorurteilsschema und zum Bart), besteht eben Verwechslungs- und Trugschlussgefahr.

Ein kürzliches Ereignis erklärt den Unterschied zwischen dem dogmatischen Kopf-Ab-Saudi-Arabien und den relativ liberalen UAE, nämlich der Besuch unseres Staatsoberhauptes beim Papst.


Während unser Kronprinz, der den erkrankten Präsidenten vertritt, für Toleranz wirbt und sich dabei bestens mit Franziskus versteht, fällt Saudis Obermufti nichts besseres ein, als mal eben 80 Millionen schiitische Muslime zu Ungläubigen zu erklären. Erstaunlich, wie der alte Zausel da plötzlich unserem greisen Ratzinger ähnelt, als der (wieder mal) den Evangolen abgesprochen hat, echte Christen zu sein (Link!). Da hilft nur die historisch verbürgte Referenz zur Vau-Vau-Jott und viel Messwein dazu.

Natürlich darf man auch hier nichts Kritisches über den Islam äußern, aber warum sollte man das als Gast in einem islamischen Land auch tun. Auf der anderen Seite gibt es christliche Kirchen, man sieht das Fischsymbol auf manchen Autos und den Rosenkranz mit Kreuz vom Rückspiegel baumeln. Hindutempel etc. gibt's auch, alles kein Problem, solange man Decency zeigt. Daher kann man Aussagen wie folgende auch als ernst gemeint verbuchen:

It is critical to take every opportunity to show a united front against all forms of intolerance. Pope Francis has reached out to faith leaders of all religions to reject extremism wherever it occurs. The UAE is proud to stand with him. We believe that the ideology and actions of extremists do not represent the core ethos of Islam and must be loudly denounced on that basis. Above all, this is a battle for hearts and minds.


Dienstag, 20. September 2016

Die neue Oper

Wie vor einem Jahr haben wir die neue "Kultursaison" wieder mit einem Besuch in der Oper eingeläutet. Das letzte Großereignis hier war die Eröffnung der Dubai Opera, denn es kann ja nicht sein, dass in Maskat eine steht und sich Abu Dhabi mit Guggenheim und Louvre brüstet, aber Dubai mal nix hat, womit es angeben kann.

Meine Neugierde auf das Gebäude war groß, jedenfalls größer als auf die Vorstellung selbst: Coppelia, ein populärer Ballettstandard mit im weitesten Sinne nussknackerähnlicher Handlung, zwar ohne Mäuse aber mit ebenso zuckriger Ummantelung. Aufgeführt wurde es vom Russian State Ballet & Opera of Siberia. Achtung, man muss hier die Klammern gedanklich richtig setzen: Nicht (Russisches Staatsballett) & (Opera of Siberia), sondern (Alle aus Sibirien). Na gefroren haben die jedenfalls nicht bei uns.

Zweite Garde also, was sogar ich Banause an den wenigen echten Stunts, dafür diversen Unsymmetrien am Gehoppel auf der Bühne, gemerkt habe. Aber ich bin ja auch vor allem meiner Frau zuliebe mit, Hobbyballerina seit Jahrzehnten - tja, wenn das kein Liebesbeweis ist!

Das Gebäude ist gleich neben dem Burj Khalifa im ultraschicken Viertel Downtown Dubai und fügt sich hervorragend ein. Nicht zu groß, nicht pompös, die Einrichtung schön spacig, mit bequemer Bestuhlung und viel Beinfreiheit. Zur Eröffnung kamen Placido Domingo und natürlich unser oberster Bestimmer. Demnächst schaut auch noch der Carreras vorbei, aber immerhin haben sie den Dritten im Bunde nicht wieder ausgegraben.

Ansonsten ist das Programm noch mau und wirklich nicht die angestrebte "Weltklasse". Genervt hat außerdem, dass Latecomers selbst 20 Minuten nach Beginn noch reintrampeln durften, als wär's ein Fussballspiel. Aber vielleicht sind wir da zu bildungsbürgerlich-deutsch statt cool-amerikanisch oder chaotisch-arabisch. Hier noch ein paar miese Bilder:








Dienstag, 13. September 2016

Elektrisierende Entwicklung

Noch ein Nachtrag zur Norwegen-Reise: Es ist wirklich erstaunlich, wie es auf den dortigen Straßen nur so wimmelt von Teslas. Gefühlt ist jedes zehnte Auto ein Tesla S oder ein anderes Elektro-/Hybridfahrzeug, die am Kennzeichen EL leicht zu erkennen sind wie unten im Bild.


Das ist freilich kein Zufall, sondern liegt an einem weitreichenden Förderkonzept: In Norwegen macht eine exorbitant hohe Anmeldesteuer Autos rund doppelt so teuer wie in Deutschland. Diese Steuer fällt bei E-Autos weg, hinzu kommen: Benutzung der Busspur, freies Parken in der Stadt, keine Mautgebühren, umsonst mit der Fähre fahren, kostenlos Strom tanken. All das ist dort wirklich teuer, also kann sich jeder Norwegerpulli leicht ausrechnen, wann der Return of Investment für ein 100,000-Euro-Auto wie den Tesla erreicht ist.

Das Programm ist dermaßen erfolgreich, dass es nun zu überhitzen droht. Einige Privilegien werden wohl bald gestrichen. Die Grundlage ist jedoch vorhanden, um den ambitionierten Plan zu verfolgen, in 10 Jahren keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen. Norwegen ist eines der reichsten Länder der Welt, es kann sich das leisten.

Ein Blick nach Deutschland: Soviel bekommt der deutsche Steuerzahler für 55 Millionen Euro, wenn sich der Staat einmischen zu müssen glaubt: Sagenhafte acht (8!) Ladestationen entlang der A9 zwischen Berlin und München.


55,000,000 EUR "Fördergelder", mit denen sich die Industrie die Entwicklungskosten finanzieren lässt, statt selbst Geld in die Hand zu nehmen. Das hat dann den schönen Bullshit-Namen "Schaufenster der Elektromobilität", und durch ebendieses Fenster wurde das Geld geworfen. Rund 7 Mios pro Station, intelligente Förderung sieht anders aus - von der erfolglosen 4000-Euro-Prämie nicht zu reden. Dabei gibt es ausreichend Vorbilder, nicht nur in Norwegen, sondern z.B. Kalifornien und demnächst China, man stelle sich vor!

Bei Tesla auf der Haben-Seite: Ein Netz von 58 Supercharger-Stationen in Deutschland, dicht genug für die große Reichweite dieser Modelle. Die Errichtungskosten liegen gerade mal bei 270,000 US Dollar pro Stück. So geht das also auch.


Tesla lässt sich nicht aushalten, sondern investiert, entwickelt, installiert, und stemmt dabei das unternehmerische Risiko alleine! Die Strategie dazu ist langfristig und umfassend: Es gibt nicht genug Batteriehersteller auf der Welt, also baut sich Tesla eine eigene Fabrik, das flächengrößte Gebäude der Welt, vollständig gespeist von den Solarzellen auf dem Dach. Nebenbei übernimmt Tesla gerade das Unternehmen SolarCity, um damit eine Infrastruktur für private, regenerative Ladestationen aufzubauen. Damit schließt sich der Kreis.

Diese Vision und das damit verbundene Risiko verdienen Respekt. So geht Unternehmertum, und ich wünsche Tesla und Elon Musk alles Gute. Unvorstellbar, dass VW & Co dazu in der Lage wären - Krauter und Hasenfüße im Vergleich, die sich lieber dafür feiern lassen, Steuergelder zu verbrennen ohne zu liefern. Hauptsache, sie verkaufen weiter ihre Stinkdiesel, nachdem sie sich auf diesem Irrweg langfristig verrannt haben. Hier gibt mittlerweile die Schafherde (der Verbraucher) einen kleinen Anlass zur Hoffnung. Scheints lernen immer mehr Schafe auszurechnen, ab wieviel km Fahrleistung pro Jahr ein Diesel überhaupt Sinn macht, und schauen sich anlässlich des ernüchternden Ergebnisses nach Alternativen um. Das liese sich leicht potenzieren, wenn man endlich die unsinnige Dieselsubvention abschaffen würde, nur leider wird das in dieser Lobbyrepublik nicht passieren. Siehe auch Tempolimit.

Hier noch eine Überleitung zu den UAE, um dem Thema des Blogs gerecht zu werden:

Die Wirtschaft der UAE hängt stark vom Öl ab. Dubai, das zweitgrößte Emirat nach Abu Dhabi, ist dabei die einzige Ausnahme, da es rechtzeitig und stark diversifiziert hat. Dubai erwirtschaftet nur noch ca. 10% seines BIP vom Öl, den Rest vor allem durch Tourismus und Handel. Außerdem raffiniert das Land sein Öl nicht selbst, sondern importiert Benzin und Diesel teuer, um es dann hoch subventioniert an den Tankstellen zu verkaufen (z.Zt. 0.42 €/l Super).

Gerade Dubai hätte also nur Vorteile von einer kompletten elektrischen Infrastuktur, wie sie Tesla heute schon hinstellen könnte: Fast alle Städte innerhalb der UAE könnte man mit einer einzigen Ladung erreichen. Für den typischen Commute zw. Dubai und Abu Dhabi auf der Sheikh Zayed Road reicht es sogar mehrmals.

Auf der anderen Seite: Von den 10% Öleinnahmen werden die öffentlichen Gehälter bezahlt. Wegen des niedrigen Ölpreises hat die Region ein riesiges, selbstgemachtes Haushaltsproblem. In der Wirtschaftskrise 2008, als die allzu spinnerten Projekte geplatzt sind, wurde Dubai von Abu Dhabi nur dank der Ölgelder rausgehauen. Nicht zuletzt deswegen muss sich Dubai vom großen Bruder in Abu Dhabi gängeln lassen, der wiederum vom Hegemon Saudi Arabien an der kurzen Leine gehalten wird (Beispiel Stellvertreterkrieg mit Iran im Jemen). Und natürlich haben letztere vor nichts größeren Schiss, als dass keiner mehr ihr Öl will, weil nun alles elektrisch fährt.

Anlass zum Optimismus gibt es trotzdem. Das Interesse an Tesla & Co ist groß, möglicherweise geht bald ein Tesla-Dealer an den Start. Wenn Dubai mal eine Vision umzusetzen beschließt, dann wird das i.d.R. auch gemacht. Gerade die Infrastrukturprojekte wurden auch in der Krise fortgeführt. Zusammen mit Tesla ein Netz von Superchargern einzurichten, wäre ein Leichtes. Rund 100 generische Lader gibt es schon. Und für den Strom hat Dubai bereits den richtigen Plan aufgelegt: Zwei riesige Solarkraftwerke (weltgrößt wie üblich), eins für Photovoltaik und eins für Solarthermik.

Auch hier würde sich der Kreis schließen. Dubai hätte das Zeug, Norwegen damit sogar zu überholen. Die Auswirkungen des extremen Klimas wurden kürzlich in einem Regulatorium zusammengefasst, die Polizei- und Taxiflotten bekommen Zuwachs an Hybridautos, elektrische Busse und sogar Boote werden getestet.

Und ich selbst würde nur zu gerne den geilen Tesla 3 fahren, wenn er denn mal verfügbar ist.

Montag, 5. September 2016

Flughafenüberdosis

Es gibt vermutlich nicht viele Orte auf der Welt, von denen man drei internationale Flughäfen innerhalb einer Stunde erreichen kann und dabei fast nichts vom Flugverkehr mitbekommt. Von unserer Ecke aus haben wir die freie Wahl zwischen DXB (Dubai International, mein Projekt von 2004 bis 2008), AUH (Abu Dhabi, meine jetzige Baustelle), und neuerdings auch DWC (Al Maktoum International, auch Dubai World Central).


DWC liegt gleich in der Nachbarschaft neben dem Gelände für die Expo 2020, dem nächsten großen Ding hier in Dubai. DWC ist kurios: Während DXB aus allen Nähten platzt, ist in DWC mit seinem kleinen Terminal nix los. Tote Hose, noch, aber alles neu und großzügig. Langzeitparken direkt vorm Eingang: kostenlos. Drinnen kaum ein Mensch, in 10 Minuten ist man vom Auto am Gate, einfach klasse. Ich habe das bei meinem letzten Abflug mal festzuhalten versucht:



Seitdem ist DWC mein klarer Favorit, solange der Zustand anhält. Das wird nicht lange sein, denn der ohnehin schon riesige DXB wächst stetig, ist bald an der Kapazitätsgrenze und wird beginnen müssen, Fluglinien nach DWC zu verdrängen. Um alle aufzunehmen, wird dieser zum größten Flughafen der Welt erweitert. Emirates Airlines soll ca. 2025 ebenfalls komplett nach DWC umziehen. Danach ist der schöne DXB obsolet und kann abgerissen, das wertvolle Areal vergoldet werden. Das wäre zwar schade um das derzeit größte Baggage Handling System des Planeten (und WER hat's gemacht, na?), aber:

Das alles ist Teil eines großen Masterplans, der die Expo und noch viel mehr umfasst. Hier geschieht Stadtentwicklung eben im Zeitraffer, mit einem Zeithorizont von mindestens 50 Jahren. Die Weltwirtschaftskrise hat diesen Plan für ein paar Jahre ausgebremst. Seit der Expo-Vergabe 2013 wird aber wieder kräftig Gas gegeben.

Die Ausschreibung für DWC Phase 1 ist gerade raus, und es ist gigantomanisch, geradezu beängstigend. Zum Vergleich: DXB schafft 80 Millionen Passagiere im Jahr, DWC dann 120 Millionen und zieht mit Rekordhalter Atlanta gleich. Phase 2 soll die Kapazität auf 250 Millionen mehr als verdoppeln. Irre!


Drumherum wird eine ganze Stadt entstehen, Dubai South, sowie eine riesige Logistik-Infrastruktur, denn natürlich wird DWC damit auch zum weltgrößten Cargo-Hub, der dann wiederum an die größte Freihandelszone der Welt, Jebel Ali Free Zone, angeschlossen ist.

So, genug Superlative. Was meine kleine Mission in Abu Dhabi angeht: Wir werden wohl ein bisschen was dranhängen müssen, da sich der Eröffnungstermin des neuen Midfield Terminals verzögern wird. Jaja, Flughäfen, wir wissen Bescheid... Nota bene, an unserem System liegt's nicht! Ein bisschen Industriehardcore zum Schluss:


Montag, 29. August 2016

Start in die neue Saison

Wir sind zurück vom Heimaturlaub, und der Schulanfang gestern hat den Beginn der vierten Saison markiert. Die Hitze wird nun jeden Tag etwas erträglicher. Bei unter 30 Grad in der Früh lässt sich der Morgenkaffee schon wieder im Garten genießen.

Wenn ich unsere Vier-Länder-Tour durch Deutschland, Schweden, Norwegen und Dänemark mit einer einzigen Silbe beschreiben müsste, dann mit dieser: NASS! So nass, dass irgendwann die Enten anfingen, vor der Haustür herumzuschwimmen:


Kein Wunder, denn später haben wir erfahren, dass Norwegen den regenreichsten August seit 40 Jahren zu verzeichnen hatte. Langweilig wurde uns trotzdem nicht, wir schlugen uns auch nicht im Wohnmobil die Köpfe ein. Mit 7.5 Metern Länge war es ja nicht eben klein, für europäische Verhältnisse.

In Stavanger, dem Ziel der Reise, fügten wir uns ins Unabwendbare und mussten Lena aussetzen. Wir sehen sie an Weihnachten wieder. Jetzt sind wir nur noch zu viert, und das Haus wirkt plötzlich etwas zu groß.

Norwegen ist ein unglaublich schönes Land, sogar bei Regen. Autobahnen gibt es so gut wie keine, und selbst auf den größeren Straßen ist es manchmal zu eng für einen Mittelstreifen. Schnell vorwärts kommt man also nicht, und man hat viel Zeit zum Schauen.

Ein wilder Fluß neben fast jeder Straße

Vorbei an tausend Wasserfällen

Im Nationalpark unterhalb des Gletschers

Preikestolen: Viel fjordiger wird es nicht!

Das nächste Mal wollen wir anders reisen: Erstens im Mai/Juni, da dann statistisch das beste Wetter ist. Zweitens nur zu zweit. Drittens mit anderem Gefährt. Ideal sind:
1. Geländewagen: Damit kommt man die versteckten Forstwege hoch und gelangt zu den einsamsten Plätzen.
2. Roadster: Die Straßen in Norwegen sind traumhaft, Fahren im offenen Zweisitzer wäre ein Genuss.
3. Campingbus: Maximale Unabhängigkeit, aber bisschen Allrad und gute Reifen müssten schon sein. 

Das Schöne: Fast alle Campingplätze haben Hütten/Cabins, die im Frühsommer keine Reservierung brauchen. So kann man auch ohne Camper in der Natur bleiben und reist trotzdem in style. Sehr zu empfehlen!

Dienstag, 26. Juli 2016

Schon wieder Sommerpause

Letzte Meldung zum Ende der dritten Saison. Es wird Zeit, von hier abzuhauen und sich mit der Familie an kühlere Orte zu begeben. Das Bild zeigt, was ich meine:


Und das als Schattenparker, wohlgemerkt! Klassischer Hitzestau im Carport, das Auto hatte quasi einen Sonnenstich. Erst auf der Straße hat sich die Anzeige dann auf erfrischende 46 Grad zubewegt. Den passenden Song zu der Hitz gibt es hier: https://youtu.be/-0WT4SnsffQ, aber es werden wohl nur bestimmte Leser*_Innen aus der Pfalz den Text verstehen können.

Drei Jahre Dubai-Blog habe ich durchgehalten, und für ein viertes Jahr wird es wohl auch noch reichen, dann vielleicht mit weniger Einträgen. Die Gelegenheiten, neue Dinge zu erleben, über die es sich auch zu berichten lohnt, gehen eben asymptotisch gegen null, wenn man nur lange genug an einem Ort lebt. Die Dubai Bucket List sollte aber noch für einiges gut sein, also abwarten.

Einen schönen Sommer, bis September dann! Und bis dahin am besten mal keine Nachrichten mehr schauen.

Dienstag, 19. Juli 2016

Heiße Reifen

Es ist Juli, die Familie ist vor gut einer Woche abgereist, und der Kühlschrank spiegelt das sommerliche Bachelor-Dasein wieder - Gemüse raus, Bierdosen rein. Was soll man am Wochenende tun, bei 40 Grad im Schatten, wenn man mal raus will? Na klar: Mit dem Porsche auf die Rennstrecke, zum Track Day! Das stand schon viel zu lange auf meiner Dubai Bucket List.

Gleich in der Nachbarschaft, im neuen Stadtteil Motor City, gibt es nämlich einen netten Rundkurs, das Dubai Autodrome. Nicht vergessen: Dubai ist ein großer Spielplatz für kleine Expats. In diesem Autodrome kann man alle möglichen Sachen buchen, Experiences genannt. Alles teuer, aber wo hat man das sonst schon.

Zuerst mal ein Bild von meinem RidePorsche Cayman 987c, das Original mit seltener Handschaltung und auch ansonsten komplett barebone. Gekauft 2013, seitdem 50,000 km runtergerissen, jede Fahrt ein Vergnügen, dabei sparsam, extrem zuverlässig und absolut alltagstauglich. Mythos Porsche eben.


Mit 245 PS und dem manuellen Getriebe lässt mich jeder Golf GTI mit DSG problemlos an der Ampel stehen. So schnell kann ich gar nicht schalten. Aber wenn dessen Fahrer morgens in die Garage kommt, dann steht da immer noch bloß ein Golf. Bei mir: Das schönste Auto der Welt! Ja, so ist das, keine Diskussion. Ich will gar nicht angeben, ich bin einfach aufrichtig begeistert von dieser perfekten Fahrmaschine.

Zurück zur "Experience": Der Track Day war in Wirklichkeit ein Track Evening, mit drei mal 20 Minuten auf einem Flutlichtkurs von 2.5 km Länge. Zu Beginn gab es ein kurzes Briefing und zwei Runden hinterm Safety Car. Danach ging's aber ins Eingemachte, und dreimal 20 Minuten hieß dann dreimal durchgeschwitzt, trotz total sissimäßig eingeschalteter, PS-killender Klimaanlage. Volle Konzentration, Reduktion auf die Reflexe, Adrenalin-Rush, Endorphin-Ausschüttung, grenzdebiles Dauergrinsen. Danach war ich platt.


Man muss dazusagen, dass das Event sehr diszipliniert und nach klaren Regeln ablief. Wir Novizen durften nur auf der langen Geraden überholen, Driften und andere Stunts waren verboten. Die Auslaufflächen in den Kurven sind sehr großzügig bemessen. Wenn es einen doch mal aus der Spur trägt, dann ist genug Platz vorhanden. Wer trotzdem an die Bande knallt, ist ein Depp.

Insgesamt also kein Vergleich zu dem, was sich auf dem Nürburgring bei den sogenannten "Touristenfahrten" abspielt, siehe z.B. dieses Horrorvideo. Alles im grünen Bereich hier bei uns, vielleicht mit Ausnahme der Öltemperatur.

Spaß und Herausforderung blieben trotzdem mehr als genug. Die Konkurrenz an diesem Abend:


sowie diverses Gekröse in meiner Liga: Porsche 911 S, Audi S3, BMW M3, Golf R, außerdem einige nicht weiter erwähnenswerte japanische Reiskocher.

Und natürlich hat sich während der Drehzahlorgie bestätigt, was Cayman-Piloten ohnehin wissen: Optimale Gewichtsverteilung dank Mittelmotor direkt hinterm Fahrer, noch vor der Hinterachse, ganz tief unten. Niedriger Schwerpunkt, perfektes Handling in den Schikanen. Genau das ist es, was bei diesem Kleinod deutscher Ingenieurskunst den Spaß bringt. Nicht vmax, sondern die Drehfreudigkeit, der lineare Durchzug und die Straßenlage.

Auf der Geraden hatten ich und meinesgleichen gegen Ferrari & Co natürlich null Chancen, da sieht man nur noch das fotogene blaue Feuer im Auspuff. Durch die Kurven und Schikanen blieb ich dem F12 dann aber dicht auf den Fersen, und das will verdammt was heißen. Bin stolz auf mich!


Komplett vergessen kann man die ganzen Muscle Cars. Die können nur schnell geradeaus fahren. Auch Corvette, M3 und Golf R waren nur auf der Geraden richtig flott. Beeindruckt hat mich der Audi S3 mit seinem Quattro-Antrieb, ein Riesenvorteil.

Zwei der Wagen haben es nicht überlebt und mussten abgeschleppt werden: Ein ziemlich neuer Mini (BMW!) und ein Reiskocher. Unfälle gab's keine, nur der übereifrige Nissan GTR flog öfters mal aus der Spur. Das kommt davon, wenn man einen zu dicken Hintern hat, und dann noch das ESP ausschaltet.

Alles in allem ein Riesenspaß mit dem Cayman. Die S-Version mit PDK wäre jetzt auch nicht schlecht... Egal, das muss wiederholt werden, dann in der Advanced-Gruppe, und natürlich direkt vor dem nächsten Reifenwechsel.

Montag, 11. Juli 2016

Snoopy Hang On

Das Wetter hält einen drinnen gefangen, der Vitamin-D-Spiegel sinkt. Draußen ist strahlender Sonnenschein, man möchte raus und was tun, aber kaum macht man einen Schritt vor die Tür, trifft einen der Schlag und man taumelt zurück ins klimatisierte Haus. Außer schwimmen im Pool geht zur Zeit nicht viel outdoors. Zweimal am Tag mit dem Hund die Runde im Park drehen ist wie Kreislauftraining einschließlich Saunagang. Danach hängt meine Zunge mindestens so tief wie bei Sammy.

Übers Wochenende aber sind wir spontan der Affenhitze der Westküste entkommen und haben uns in die Affenhitze der Ostküste begeben - zu Snoopy Island ins Sandy Beach Hotel, mal wieder. Der indische Ozean bei Fujairah ist zwar auch nur eine trübe Badewanne um diese Jahreszeit, aber ein bisschen schnorcheln geht immer. Es gibt sogar einen Tote-Meer-Effekt: Der Auftrieb ist stark genug, dass man auch ohne Schwimmweste an der Oberfläche klebt.

Wir hatten ein gemütliches Chalet

Wasser, Strand, Strandbar, Bier

Gelassenes Gleiten und Gucken

Korallenstillleben mit Seeigel

Fischlich gab's natürlich auch

Um den Rückweg etwas interessanter zu machen, haben wir ein Stück Autobahn mit einem Wadi-Track getauscht und sind offroad gegangen. Die Strecke kennen wir schon von 2007, als es noch nicht so viele Luxus-Datschen der Einheimischen in den Berghängen gab. Wäre ich ein solcher Reich-Scheich, würde ich mir dies aber wohl ebenso gönnen, denn dort ist es kühler und trockener.

Das Video vom Track ist nicht weiter spektakulär. Interessant ist die verwendete Bildstabilisierung Hyperlapse von Microsoft. Diese gleicht das Gewackel, das durch den holprigen Track entsteht, super aus. Statt der Umgebung wackelt eben die Motorhaube. Die Algorithmik dahinter ist nicht trivial.


Sonntag, 3. Juli 2016

Gurkengefahr

In unserer Gulf News finden sich immer wieder farbenfroh geschriebene Artikel mit geradezu subversivem Humor.


Wie konnte das passieren? Gibt es keine Ziegen mehr, weil sie alle eingesammelt wurden, um dem Sultan sein 1000-Zimmer-Palast in Ankara zu bevölkern? Oder ist der Mann vielleicht ein Veganer, darf also nur mit Obst und Gemüse?

Immerhin könnten sich gewisse Teile des katholischen Klerus ein Beispiel nehmen und es auch mal mit Gurken versuchen. Aber aufgepasst, immer auf die Frische achten!

Dienstag, 28. Juni 2016

Modernere Medizin

Bin ich aber mal froh, dass ich zu meiner Nasenscheidewand-OP vorher nicht im Internet unterwegs war. Mein lieber Scholli, was gibt es da für Horrorgeschichten. Manche erzählen sogar auf YouTube, wie eine Axt durch ihren Schädel fuhr, und ähnlich wirres Zeug.

Aber auch die seriösen Seiten der Krankenkassen und Kliniken stellen das als mittelschweren Eingriff dar: Ein bis zwei Wochen Krankschreibung, drei bis sieben Tage stationärer Aufenthalt im Krankenhaus, im Bett bleiben, tägliches Absaugen, keine Belastung, Kopf nicht vorbeugen, nicht niesen, nicht schnäuzen, aber wenn, dann bittschön nur einseitig mit offenem Mund, wenn möglich dabei nach Osten schauen... Und selbst die Brille solle man "vorsichtig tragen" - wie bitte trägt man eine Brille denn unvorsichtig?

Alles Quatsch. Bei mir lief das so, und es war wegen der extremen Verkrümmung keine ganz einfache Korrektur: Am Montag um 7 Uhr in die Klinik gefahren, OP um 9, schlagartig aufgewacht um 10:30. Null Schmerzen, nur rauher Hals und Riesenhunger. Was gegessen, viel getrunken, ein Buch gelesen. Um 13 Uhr nach Hause, den restlichen Tag im Bett verbracht. Am Dienstag ohne Probleme auf den Beinen, mit Mullverband unter der Nase, damit nichts tropft. Am Mittwoch schon wieder gearbeitet. Am Donnerstag kamen die Tamponaden raus, am Samstag die Silikonstützen. Das war's schon, kein Krankenhaus, keine Schmerzen, nur drei Tage lästige Mundatmung, weil Nase zugestopft. Hat sich gelohnt!

Ein ziemlich krasser Unterschied der Gesundheitssysteme im gesamten Ansatz, finde ich. Diese Erfahrung ist allerdings nicht neu für uns:

Beispiel 1: Kinderkriegen in den USA. Ein Zimmer wie ein Hotel, mit Sofabett für den Papa, und Whirlpool für die Schwangere. Sehr persönliche Betreuung durch Hebamme und Arzt, Geburt im selben Zimmer. Bei normalem Ablauf einen Tag noch drinbleiben, bei Kaiserschnitt drei Tage, dann ab nach Hause, Hebamme on stand-by. In Deutschland: Kreißsaal, und ein viel längerer Aufenthalt im Krankenhaus.

Beispiel 2: Vasektomie, ebenfalls USA. Zur Klinik fahren, 150 Dollar hinblättern, kurzes Interview zur Familienplanung, Spritze in die Kronjuwelen, schnipp-schnapp, wieder heimfahren (selber), hinlegen, zwei Tage dicke Eier, Eispacks, fertig. Damals in Good Old Germany: Drei Tage Krankenhaus, 800 Mark selber zahlen, und - man stelle sich vor - ein Pfleger rasiert einem vorher noch die Schrumpelpflaumen, neiiiinnn.

Woran liegt das also? Das Resultat ist ja dasselbe: Gleiche Lebenserwartung und gesunde Kinder hier wie dort.

Natürlich gibt es etliche Papiere, die die Gründe für diese Diskrepanz detailliert ausbreiten. Ich meine: In Ländern wie USA und UAE wird von den Krankenversicherungen mächtig Kostendruck ausgeübt, was zu deutlicher Effizienzsteigerung führt, denn es gibt dabei echten Wettbewerb. In Deutschland ist dieser Druck zu gering, das Gesundheitssystem vergütet mit niedrigen Pauschalbeträgen und ohne Incentive in Bezug auf Effizienz. Also hat sich der Medizinbetrieb darauf verständigt, an sich einfache Sachen aufzublasen, um eben so ans Geld zu kommen. Und nebenbei verliert man gerade den Anschluß an der Technologiefront, aus genau denselben Gründen.

Es geht also auch anders, bei gleichen Kosten, gleicher oder sogar besserer Qualität, und zum Vorteil des Patienten. Wer legt sich schon gerne drei Tage ins Krankenhaus, wenn man - bei Anwendung moderner Verfahren - quasi zum Mittagessen wieder zu Hause sein kann.

Ein positives Gegenbeispiel möchte ich nicht unterschlagen: Carls OP in Rummelsberg verlief nach diesem Muster: Minimalinvasiver Eingriff, modernste Methode, sehr kurzer Krankenhausaufenthalt, voller Erfolg.

Die Klinik hier in UAE war übrigens topmodern eingerichtet, gut organisiert und auf optimierte Abläufe ausgerichtet. Wie üblich hier bei uns kommt das Personal einschließlich der Ärzte von überall her und arbeitet reibungslos zusammen, man kann das beobachten im Umgang miteinander. Bisher war es üblich, für kompliziertere Behandlungen ins Ausland zu gehen. Dieser Trend verschiebt sich gerade: Vieles (aber nicht alles) kann mittlerweile hier gemacht werden, und es entsteht nun ein Medizintourismus vom Fernen in den Mittleren Osten.