Dem Deutschen sein teutonischer Wald ist dem Golfaraber seine Wüste: Er ist in ihr aufgewachsen, hält sie für gegeben, behandelt sie manchmal schlecht, und vermisst sie erst, wenn er sie nicht mehr hat. Für uns Waldmenschen hat die Wüste auch nach Jahren nichts von ihrer Faszination verloren, wir lieben sie, haben Respekt vor ihr, und schütteln den Kopf über jedes Stück Müll, dass achtlos hineingeworfen wurde.
Für die Einstandstour zur neuen Saison haben wir diesmal die Jeeps und Landys stehen lassen und stattdessen auf Fatbikes umgesattelt. E-Fatbikes, um genau zu sein, denn was liegt näher für das Fahren im Sand, als diese beiden Dinge zu kombinieren. Wer einmal eine Düne hinaufgekeucht ist, weiß, wie anstrengend das ist. Unvorstellbar, dass ich da ohne Elektrohilfe mehr als drei davon geschafft hätte.
Wir fuhren 24 km in knapp drei Stunden, und das war ganz schön sportlich trotz E-Antrieb und Ersatzakku. Wer deutlich fitter ist als wir ollen Ü50er schafft das natürlich auch ohne "E", siehe dieses dynamische Video. Ich hatte keine Gelegenheit, passable Bilder zu machen, aber immerhin hatte ein Offroadkollege mal ein früheres Minivideo hochgeladen, das schön zeigt, wie es funktioniert.
Man muss dabei auf die gleichen Sachen achten wie beim Dune Bashing mit dem Auto: Nimmt man nicht genug Schwung, bleibt man stecken. Meistens passiert das auf dem Dünenrücken, wo der Sand weich ist, und dann steht man da, mit 30 Kilo Fahrrad halb im Sand vergraben. Weiterfahren ist nicht, also entweder das Trumm hochschleppen, oder zurück ins Tal wuppen und nochmal probieren. Auch beim "Fliegen" quer über die Düne muss man denselben Moment an Mut aufbringen und beim Abgang auf der steilen Leeseite sogar noch Gas geben, sonst sinkt das Vorderrad ein. Woraufhin man einen sauberen Abgang über den Lenker macht und als paniertes Schnitzel wieder aufsteht. Ich weiß, wovon ich rede!
Aber irgendwann hat man das raus, und dann ist man "im Flow", es läuft, und man genießt die wunderbare Landschaft auf eine ganz neue, stille Weise. Es war ein sehr schöner Vormittag.
Wenn der Nachwuchs aus dem Haus ist (bzw. der verbleibende Pupertäter eh nur im Zimmer rumhängt und nix von einem will außer Futter, Taschengeld und ab und zu eine neue E-Gitarre), dann kann bzw. muss man sich wieder mehr auf seine Partnerschaft besinnen. Da ist durchaus etwas Beziehungsarbeit dabei, denn bis vor kurzem noch wurden viele unserer Aktivitäten von den Kindern bestimmt, oder sie waren zumindest immer mit dabei. Kurz: Wir waren meistens von uns selbst abgelenkt. Jetzt wird es ruhiger, manchmal einsamer, und wir stellen uns auf einen neuen Lebensabschnitt ein.
Im Gegensatz zur Zeit vor den Kindern haben wir nun ein bisschen mehr Kohle für die feineren Dinge des Lebens. Ein paar Kilometer mehr auf dem Tacho haben wir zwar auch, aber für ein romantisches Wochenende reicht es immer noch. Diesmal im überaus feinen Miramar-Resort an der Ostküste des Landes, direkt am Ende der Straße von Hormuz. Dort liegt der Golf von Oman, der zum Arabischen Meer gehört, einem Teil des gigantischen Indischen Ozeans.
Glasklares Wasser, gutes Essen, eine kleine Suite und Zeit zu zweit, purer Luxus. Für manche Leute ist dieser Fünf-Sterne-Lifestyle normaler Alltag, für viele andere nicht ansatzweise erreichbar, und für uns etwas Besonderes, das wir sehr genossen haben. Die Bilder sprechen für sich.
Wie geht der Spruch... Geld allein macht nicht glücklich, aber lieber im Sportwagen heulen als im Stadtbus. Da ist was dran.
Carls Musikgeschmack ist kürzlich von Rock über Hard Rock auf Metal übergegangen. Passend dazu hat er sich einen leichten Mohawk schnipseln lassen, soweit es die Schulordnung eben zuließ. Haartechnisch kann ich da zwar nicht mehr mithalten, musikalisch aber schon.
Da traf es sich gut, dass Dream Theater in die Stadt kamen. Die Band spielt Progressive Metal, also technisch anspruchsvollen, aufwendig arrangierten Rock und Metal. Aus der Konserve tue ich mir das zwar selten an, live ist das allerdings eine ganz andere Nummer.
Die Gruppe ist seit 25 Jahren unterwegs, alles studierte Musiker und anerkanntermaßen mit die Besten ihres Fachs. Gitarrist John Petrucci ist wenige Tage älter als ich, und wenn wir auch nicht unsere Gitarrenfähigkeiten gemeinsam haben, so doch zumindest den zurückweichenden Haaransatz.
Er spielt schnell, unglaublich schnell, 20 bis 30 Noten pro Sekunde, aber kein Eddie-Van-Halen-Shredding sondern präzise Melodiefolgen. Was das bedeutet, sieht man sehr schön bei diesem Mitschnitt ab 3:39. Spätestens bei 3:52 stellt jeder Hobby-Shredder seine Klampfe weinend in die Ecke.
Von führenden Rockmusikern empfohlen: Ohrenstöpsel. Die waren das Wichtigste überhaupt. Carl hat mich anfänglich noch ausgelacht, aber nur bis zum ersten Akkord. Die Bässe im Magen gehören dazu, klar, aber wenn im Kopf nur noch verzerrter Lärm ankommt, weil das Trommelfell am Anschlag ist, wo ist dann der Sinn? Ich hab noch nie kapiert, wie die Leute das aushalten. Carl ist jedenfalls genauso lärmsensibel wie ich und war heilfroh um die Dinger.
Auch der Kamera habe ich Ohrenstöpsel verpasst (dicker Gummipuffer vorm Mikrofon), und trotzdem ist mein Bootleg leicht verzerrt. Tolle Lightshow, immerhin. Virtuose Solis ab ca. 4:00, 8:00 und 17:30, und ein bisschen Metallica ab 19:00. Ein Spitzenkonzert über knapp drei Stunden.
(Auch interessant: Das komplette Dark Side of the Moon Album, eine echte Hommage, da exakt und mit beträchtlichem Aufwand nachgespielt. Allein der analoge Synthesizer, eine ganze Wand, ist sehens- und hörenswert.)
Der eine oder die andere hat's vielleicht in den News gesehen: Demnächst gibt es bei uns fliegende Taxis. Bis zur Serienreife wird noch einige Zeit vergehen - und auch dann möchte ich nicht unbedingt der erste Fluggast sein - doch bis dahin freue ich mich, dass hier eine deutsche Firma, Volocopter, ganz vorne mit dabei ist.
Doch die Konkurrenz schläft nicht, denn eben erst hat Boeing den Lufttaxi-Pionier Aurora akquiriert. Hier geht es also nicht mehr nur um eine fixe Idee, sondern um die urbane Lufthoheit der Zukunft. Wenn ich an den Lärm denke, den allein meine kleine Hobbydrohne gemacht hat, dann wird das eine laute Zukunft. Mit der Verdrängung fossiler Autos sollte es eigentlich ruhiger werden in den Städten, nicht umgekehrt!
Das sind freilich alles kleine Brötchen, die da gebacken werden. Während ich mich ganz bescheiden über die ersten Tesla Taxis in Dubai freue, ist Tony Stark schon ein paar Lichtjahre weiter: Wir fliegen mit Raketen zu jedem beliebigen Punkt auf dem Planeten in maximal einer Stunde. Und zum Mars sowieso, alles mit dem gleichen System, der Big Fucking Rocket (ja, heißt tatsächlich so). Aber nicht erst irgendwann, sondern schon 2024. OK, "frühestens", aber selbst wenn es zehn Jahre später passieren sollte, wäre das ziemlich irre.
Häuserwände sollen dabei aus Wüstensand mit einem 3D-Drucker hergestellt werden. Das ist insofern interessant, da Wüstensand bisher zu nichts zu gebrauchen war, schon gar nicht für Beton. Doch offenbar gab es kürzlich einen technologischen Durchbruch. Gedruckte Häuser mitsamt Inneneinrichtung haben wir ja eh schon, ist klar.
Mit der Technologie wachsen die Ansprüche, also wird schon mal ein Nullserienmodell eines sog. Hoverbikes umlackiert und zur Schau gestellt. Das etwas traurige Video auf der Website des Herstellers lässt vermuten, dass wir das nicht so bald in Aktion sehen werden. Oder vielleicht doch?
Noch ein Gadget: Dieser putzige Geselle muss aufpassen, dass er nicht von seinem großen Kollegen plattgefahren wird. So ein Nissan Patrol würde das gar nicht bemerken. Der Kleine ist ein halbautonomer Robocop mit eingebauter Drohne und soll in autofreien Zonen Patrouille fahren.
Er wird sicherlich viele Fans haben, und er wird sie alle beim Namen kennen, denn: Er ist mit einem Gesichtserkennungssystem ausgestattet, das jeden identifiziert, den er vor die Linse bekommt. Wer in die UAE reist, darf nämlich bei der Passkontrolle kurz in ein kleines Gerät schauen, und schon ist man drin in der Datenbank. (Wer es noch nicht weiß: Auch in den Flughäfen wird mit Hilfe von ca. 12,000 Kameras 100% Gesichtserkennung betrieben.)
Abgesehen von diesen (Noch-)Spielereien gibt es aber auch ernsthafte Anwendungen, so zum Beispiel Verkehrsüberwachung via Kameradrohnen, oder die Dubai Police App für Smartphones. Dort kann man nicht nur seine Strafzettel blechen, sondern auch kleinere Unfälle abwickeln, ohne die Polizei zu rufen. Einfach Fotos und Hergang hochladen, und hoffen - insha'Allah - dass der Beamte vor dem Bildschirm einen guten Tag hat.
Als Wüstenbewohner vermisse ich nach einiger Zeit doch immer das Grün der Wiesen und Wälder in Deutschland und Europa. Und wo sind die Wiesen grüner und Deutschland schöner als in den bayerischen Alpen? Nirgendwo!
Für eine viel zu kurze Woche sind wir dort hin, wo wir früher immer langlaufen waren: Im Örtchen Krün inmitten des Karwendelgebirges. Was wir dort besonders mögen, ist, mal abgesehen von der kurzen Anfahrtszeit, das helle, weite Tal mit seinen Seen und Gebirgszügen im Hintergrund.
Leider ist auch hier der Klimawandel längst zu spüren: Im Winter gibt es weniger Schnee, im Sommer häufiger Felsabgänge, da der Permafrostboden in den höheren Lagen keiner mehr ist.
Nichtsdestotrotz, das Geschäft brummt, man sieht den Einheimischen ihren Wohlstand an, die Gästehäuser sind top in Schuss. Unten ein Blick aus unserem Schlafzimmer. Das ist aber mal ein Panoramafenster!
Das gemischte Wetter hat uns von Wanderungen auf die Almen der Umgebung nicht abgehalten. Richtige Touren über Fels sind mit den Flachlandtirolern, zu denen sämtliche Mitglieder meiner Familie zählen, leider nicht möglich, damit muss ich leben. Was soll's, gibt's eben ein Weizen extra auf der Hüttn.
Wenn es regnet, geht man am besten gleich dahin, wo es eh schon nass ist, nämlich in die Partnachklamm. Immer wieder spektakulär, im Sommer wie im Winter. Danach zur kurzen Jause hoch zum Eckbauern und mit der historischen Gondelbahn zurück nach Garmisch-P.
Überrascht haben mich arabische Verkehrsschilder um den geschichtsträchtigen (und auch -vergessenen) Garmischer Olympia-Skistadion, die beim letzten Mal noch nicht dort standen. Ein Blick aufs neue Wandervolk ließ mich dann auch fast wie zu Hause fühlen.
Bild rechts: Wie sehr sich doch die bei uns gepflegte, eher angelsächsisch geprägte und auf Höflichkeit bedachte Sprachkultur von der lokalen Lederhosendiktion unterscheidet. Für eine Sekunde war ich glatt versucht, mit Absicht DANEBEN ZU BRUNZEN!!!, besann mich jedoch meiner Erziehung und vor allem darauf, dass ein solches Statement am vermutlich ironiefreien Personal wohl verloren wäre. (!!!)
Ich hab's getan! Was seit vier Jahren ganz oben auf der Bucket List steht, ist nun endlich abgehakt: Mal aus einem Flugzeug springen und sehen, wie das ist. In meinem Fall (Wortspiel, hoho) war das ganz toll.
Und das ausgerechnet an "Nine Eleven". Das Datum war reiner Zufall, der gelungene Ablauf eher nicht: Mein Partner, ein Armee-Veteran aus Moldawien, hat rund zwölftausend Dives hinter sich. Weitere Fragen erübrigen sich da, angesichts des stark binären Ausgangs einer solchen Unternehmung. Rein statistisch gibt es also keinen Grund zur Sorge, dass man den Möllemann machen könnte.
Der Reihe nach: Man bucht einen Termin bei Skydive Dubai und drückt wie üblich das Doppelte ab, was es in Europa kosten würde. Dann wird gewogen: Wer mehr als 100 Kilo auf den Rippen hat, bleibt am Boden. Der Partner wird zugeteilt, stellt sich kurz vor, legt einem das Gurtzeug an und gibt fünf Minuten Einweisung. Zu beachten gibt es nicht viel: In die Hocke beim Absprung, Banane machen nach dem Sprung, Beine anziehen bei der Landung, das ist schon alles.
Während sozusagen das letzte Stündlein schlägt, hat man noch ausreichend Gelegenheit, sich still über das ultralässige Skydive-Team zu amüsieren. So ostentativ cool, es tat schon fast weh. Ich kam zu dem Schluss, dass man die alle vom kalifornischen Strand und in Miami Beach aufgeklaubt hat. Der Springergruß geht offenbar so: Man klemmt sich das Skateboard unterm Arm, schaut grimmig, zeigt mit spitzem Finger und ausgestrecktem Arm auf seinen Kumpel und sagt laut "Yo!".
Mein Anatoli war die angenehme Ausnahme und hat sich an dem Zirkus nicht beteiligt. Er springt ca. sechs bis sieben Mal am Tag mit einem hibbeligen Touri vor dem Bauch, und ich wollte wissen, ob ihm das noch Spaß macht. Die schöne Antwort kam mit einem Schulterzucken und leicht gequältem Blick: It's a job.
Dann ging es hoch auf 4000 Meter. Ich saß gleich an der offenen Tür, das war schon eine Schau für sich. Zwischendurch sprangen ein paar Profis alleine ab, der eine noch mit Handy in der Hand. Wir durften winken, als er sich rausstürzte und dabei filmte. Dann war ich dran, zum Glück als erster. Anatoli hat kurzen Prozess mit mir gemacht: An die Kante und, hops, raus. Ja, da muss man auch mal loslassen können, ha!
Der freie Fall war spektakulär und ohrenbetäubend laut. Auf halber Höhe zog Anatoli die Leine, es gab einen Ruck und der Fallschirm war auf. Yo!
Fortan hing ich im Seil und genoss die Aussicht. Das Wolkenkratzerpanorama der Marina aus der Luft betrachtet war phantastisch. Wir segelten in weiten Bögen nach unten und landeten wie geplant, das war's. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange es gedauert hat - vermutlich nur wenige Minuten.
Ich kann nicht behaupten, dass ich Schiss hatte, aber gscheit aufgeregt war ich schon! Der Verstand sagt einem zwar, dass nichts passieren wird, die Instinkte empfehlen aber dringend, sich nicht ins Nichts zu stürzen. Diese Barriere muss man überwinden, und daher kommt der Kick. Der Rest ist endkrasse Gaudi beim Fallen und stiller Genuss beim Gleiten.
Die ganze Zeit prasselten so viele Eindrücke auf mich ein, dass meine CPU kaum hinterher kam. Die ist eigentlich nicht langsam, aber ich bin eben auch keine zwanzig mehr. Überhaupt war ich an dem Tag der älteste Gaul. Der Rest waren typische Vertreter des Dubai-Jungvolks, und manchen schienen die Aufnahmen für ihr Instagram und Twitter wichtiger zu sein als das eigentliche Erlebnis.
Klar freue ich mich über die Bilder, trotzdem hat mich der Kameramann leicht genervt. Der springt nämlich mit - ein Kunde, zwei Profis, was für ein Aufwand - und flattert dabei ständig um einen herum, ob am Boden oder in der Luft.
Insgesamt eine irre Erfahrung, wirklich klasse! Wer nicht gerade unter starker Höhenangst leidet, sollte das mal gemacht haben im Leben. Ich für meinen Teil will nochmal springen, aber dann über der Wüste und ohne Kamerafuzzi vor der Nase.
Gerade noch auf YouTube entdeckt: Neulich sprang Anatoli mit Will Smith, siehe hier. Zum Schießen komisch, wie Will Smith sein Erlebnis in einer Talkshow zum Besten gibt, sehenswert. Ich hatte übrigens ein ganz normales Frühstück.
Willkommen zur ersten Episode von Staffel 5 der Serie "Neues aus den Emiraten, auch wenn's langsam weniger wird". Mal sehen, vielleicht steht am Ende das Große Finale - hängt ganz von der guten alten Dubai Bucket List ab, und ob ich meine momentane Schreibfaulheit überwinden kann.
Die Ölkrise geht weiter, es ziehen mehr weg als zu, und die Mieten sacken ab. Unser Landlord ist schon von sich aus um 10% runtergegangen, nur um uns zu halten. Er weiß eben, was er an uns hat. Das gesparte Geld wird leider gleich vom schwachen Dollar aufgefressen, an den der hiesige Dirham gekoppelt ist. Dazu kommt die für 2018 geplante Einführung einer Mehrwertsteuer von ca. 5%. Alles halb so schlimm, wir jammern bloß gern auf hohem Niveau.
In der öffentlichen Kasse ist immer noch Ebbe, der Staat braucht dringend Geld und holt es sich von seinen Expats. Sei es durch die VAT, durch kreative "Gebühren", oder eben teurere Speeding Tickets(seufz!). Selbst die skurrile Knowledge Fee, die auf jeden Strafzettel draufgeschlagen wird und von der keiner weiß, was sie soll, wurde verdoppelt.
Grund für die Flaute ist, wie gesagt, der zu niedrige Ölpreis. Dubai macht zwar nur 10% seines BIP mit Öl, jedoch werden davon die Staatsgehälter bezahlt, sprich, die eigene Bevölkerung. Und die will bei Laune gehalten werden. Eingebrockt haben es ihnen und uns die Saudis, ihre "Brüder" mit der Dumpingstrategie - ein grandioses Eigentor!
Gebaut wird trotzdem noch wie irre. An jeder Ecke stehen die Kräne und Rohbauten aus Beton und Ziegel. Der Motor dafür ist die Expo 2020 und der Hype, der um sie gemacht wird. Demnächst steht die Eröffnung des neuen Zoos in Dubai an, sowie des Louvre in Abu Dhabi. Wir werden berichten.
Die arabische Seifenoper namens Katarkrise geht ebenfalls weiter, ebenso das "Engagement" (Völkermord trifft es wohl besser) im Jemen. Der strategische Blindgänger nebenan macht einen auf Weltmacht, möchte sich profilieren auf Kosten hunderttausender Menschenleben, und die kleinen Nachbarn buckeln. Dafür hat mein Gastland viel an Ansehen bei mir eingebüßt, ich kann mir nicht helfen.
Soviel zur Großwetterlage. Ach ja, Wetter. Auf dem absteigenden Ast, es geht also aufwärts. Die neue Offroad-, Wander-, Wüsten-, Camping- und Strandsaison ist schon fast da. Das SUP-Board wartet auf seinen Einsatz, denn noch ist der Golf eine brühwarme Salzlake mit null Erfrischungseffekt.
Traditionsgemäß waren wir zum Auftakt wieder in der Dubai Opera, diesmal beim Don Giovanni. Ich geh da aus diversen Gründen gerne hin: Um ein bisschen Hochkultur mitzukriegen, zum Leute gucken, und um den einzigen Anzug, den ich besitze, ab und zu mal zu lüften. Nach knapp drei Stunden mediokrer Geisterbeschwörung haben mir dann aber doch die Ohren geblutet.
Demnächst kommen Status Quo in die Oper! Offenbar gibt es einen Rollstuhlzugang zur Bühne. Bin eigentlich viel zu jung für die, muss ich mir aber ansehen, als Ausgleich. Tiefkultur, sozusagen. Jetzt aber Gute Nacht!
So schnell fliegen vier Jahre an einem vorbei! Vier Jahre, fünf Prozent vom Leben!!! Selbst ein Pils hat weniger Alkohol! Ist nur schneller weg.
Das Flughafenterminal in Abu Dhabi, mein Projekt, sollte nun eigentlich fertig sein und kurz vor der Eröffnung stehen. Leider hat da der Main Contractor, ein Konsortium aus Türken, Griechen und Arabern, die Rechnung ohne den Babylon-Faktor gemacht. Der Bauverzug erreicht langsam Berliner Dimension und hat auch ähnliche Ursachen. Der Unterschied liegt bestenfalls darin, dass man von Berlin eh nicht erwartet, dass mal was funktioniert, bei den Großprojekten hierzulande aber durchaus. Jetzt kämpfen wir um unser Geld, denn jeder extra Tag auf der Baustelle ist teuer.
Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, dann würden wir dieser Tage unsere Zelte abbrechen, die Kamele satteln und weiterziehen. Vielleicht nach Deutschland, vielleicht auch nicht - neue Projekte gibt es genug in den schönen Ecken der Welt. So aber werden wir wohl noch zwei Jahre dranhängen, weiterhin Sonne und Meer genießen und Berge und Wüsten erkunden. Das geht völlig in Ordnung, no problem!
Die Burg in Dubai wird momentan nur noch von Johanna und Sammy gehalten. Seit knapp einer Woche bin ich in der alten Heimat und genieße die Kontraste in klimatischer und sonstiger Hinsicht. Links Dubai, rechts Schweinfurt - rein allegorisch gemeint, versteht sich.
Zum Blogschreiben werde ich hier nicht kommen, über was auch. Somit läute ich besser die vierte Sommerpause ein, bevor wir im Herbst in die Verlängerung gehen. Auf unserer Dubai Bucket List stehen noch eine ganze Reihe Dinge, die nicht durchgestrichen sind. Daran müssen wir in der nächsten Saison arbeiten und natürlich auch berichten.
Nachtrag: Natürlich tue ich der fränkischen Kleinstadt unrecht mit dem Bildvergleich. Erstens sind die beiden Orte viel zu verschieden, um sie überhaupt vergleichen zu wollen. Zweitens ist der lustige Automat (wie bin ich bisher nur ohne Reisemuschi zurechtgekommen?) sicher auch in Berlin zu finden. Und drittens hat unser Kaff auch schöne Seiten, die mit vielen Kindheitserinnerungen aufgeladen sind. So zum Beispiel unser alter Baggersee, der heute bei wunderbaren 30 Grad im Schatten sehr einladend war:
Fast täglich erreichen wir die 40 Grad im Schatten, und ab 40 aufwärts wird's draußen wirklich ungemütlich. Einfach selber ausprobieren: Ofen auf 200 Grad Umluft und Kopf reinstecken.
Da kommt man leicht auf abwegige Gedanken, etwa dass man einen zweiten Hund adoptieren könnte, weil's ja im Haus schon wieder leerer geworden ist. Gerade jetzt gibt es genug arme Fiffis zur Adoption, denn immer zum Schuljahresende, wenn die große Expat-Rotation einsetzt, werden leider auch viele Vierbeiner einfach in die Wüste geschickt, sprichwörtlich.
Ein richtiger Wüstenhund ist der persische Windhund, der Saluki. Eine ganz alte Rasse, unverfälscht, rasend schnell, freundlich und intelligent. Ein solcher war bei Bekannten von uns als Foster Dog (Pflegehund) untergekommen und suchte noch nach einem Forever Home, wie man hier so schön sagt.
Sie heißt Amal, arabisch für Hoffnung, ist ca. 9 Monate alt, und durfte uns für eine Woche auf Probe besuchen. Ein Prachtexemplar in Bezug auf Statur und Fell, aber wie alle Rescue Dogs mit einer traurigen Vergangenheit, hungerte monatelang in einem Käfig in der Sonne in ihren Exkrementen, bis ihre Haut verbrannt war.
Der Saluki ist der einzige Hund, der von Arabern akzeptiert wird, da er als Jagdhund arbeitet. Trotzdem ist er haram, unrein, und darf nicht ins Haus. Denn wenn da ein Hund ist, kommen keine Engel mehr zu Besuch! Ja, so ist das mit den gesellschaftlich akzeptierten Wahnvorstellungen. Offenbar sagen diese Engel auch, dass man andere Geschöpfe nach Belieben quälen darf.
Glücklicherweise hat sich Amal von diesem Trauma bei ihren Foster Parents weitgehend erholt. Dass sie trotzdem viermal am Tag ins Haus gepinkelt hat, war sicher noch ein Überbleibsel aus dieser Phase. Lang lebe Fliesenboden und Wischmob!
Amal war lieb, anhänglich und blitzgescheit, aber letztlich haben wir sie nicht behalten. Ich musste einsehen, dass ich ein Ein-Hund-Mensch bin, die zwei waren zuviel für mich. Auch Sammy war für Amal nicht der richtige Partner. Sie mochten sich zwar, aber viel Interaktion war nicht. Ich glaube, Sammy war einfach zu langsam für Amal, und wir waren es auch. Trotzdem, ein toller, schöner Hund. Jetzt ist sie wieder zurück bei den drei Salukis ihrer Pflegeeltern, dort ist die Action.
Action gab es außerdem am vergangenen Wochenende, dem stürmischsten bisher. Wir hatten die Idee, eine Wüstentour zu machen (im Juli!) und sind bei praktisch null Sichtweite in den Sandsturm hinein gefahren.
Wenig überraschend: Wir waren weit und breit die einzigen Spinner, die noch unterwegs waren. Zwischendurch hat die Wüste sogar einmal versucht, mich aufzufressen.
Ein Meter weiter rechts wäre kein Treibsand gewesen, aber es ist nun mal dessen Eigenschaft, dass man ihn nicht sieht, es sei denn, man ist Beduine. Egal, ich bin gar nicht erst ausgestiegen, sondern hab mich kurzerhand rausziehen lassen.
Das war nun aber definitiv die letzte Tour der Saison, denn bald geht's ab nach Good Old Germany.