Dienstag, 18. Juli 2017

Hoppla, schon wieder Sommerpause!

So schnell fliegen vier Jahre an einem vorbei! Vier Jahre, fünf Prozent vom Leben!!! Selbst ein Pils hat weniger Alkohol! Ist nur schneller weg.

Das Flughafenterminal in Abu Dhabi, mein Projekt, sollte nun eigentlich fertig sein und kurz vor der Eröffnung stehen. Leider hat da der Main Contractor, ein Konsortium aus Türken, Griechen und Arabern, die Rechnung ohne den Babylon-Faktor gemacht. Der Bauverzug erreicht langsam Berliner Dimension und hat auch ähnliche Ursachen. Der Unterschied liegt bestenfalls darin, dass man von Berlin eh nicht erwartet, dass mal was funktioniert, bei den Großprojekten hierzulande aber durchaus. Jetzt kämpfen wir um unser Geld, denn jeder extra Tag auf der Baustelle ist teuer.

Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, dann würden wir dieser Tage unsere Zelte abbrechen, die Kamele satteln und weiterziehen. Vielleicht nach Deutschland, vielleicht auch nicht - neue Projekte gibt es genug in den schönen Ecken der Welt. So aber werden wir wohl noch zwei Jahre dranhängen, weiterhin Sonne und Meer genießen und Berge und Wüsten erkunden. Das geht völlig in Ordnung, no problem! 

Die Burg in Dubai wird momentan nur noch von Johanna und Sammy gehalten. Seit knapp einer Woche bin ich in der alten Heimat und genieße die Kontraste in klimatischer und sonstiger Hinsicht. Links Dubai, rechts Schweinfurt - rein allegorisch gemeint, versteht sich.

 

Zum Blogschreiben werde ich hier nicht kommen, über was auch. Somit läute ich besser die vierte Sommerpause ein, bevor wir im Herbst in die Verlängerung gehen. Auf unserer Dubai Bucket List stehen noch eine ganze Reihe Dinge, die nicht durchgestrichen sind. Daran müssen wir in der nächsten Saison arbeiten und natürlich auch berichten.

Nachtrag: Natürlich tue ich der fränkischen Kleinstadt unrecht mit dem Bildvergleich. Erstens sind die beiden Orte viel zu verschieden, um sie überhaupt vergleichen zu wollen. Zweitens ist der lustige Automat (wie bin ich bisher nur ohne Reisemuschi zurechtgekommen?) sicher auch in Berlin zu finden. Und drittens hat unser Kaff auch schöne Seiten, die mit vielen Kindheitserinnerungen aufgeladen sind. So zum Beispiel unser alter Baggersee, der heute bei wunderbaren 30 Grad im Schatten sehr einladend war:


Sonntag, 9. Juli 2017

Zweifache Hundstage

Fast täglich erreichen wir die 40 Grad im Schatten, und ab 40 aufwärts wird's draußen wirklich ungemütlich. Einfach selber ausprobieren: Ofen auf 200 Grad Umluft und Kopf reinstecken.

Da kommt man leicht auf abwegige Gedanken, etwa dass man einen zweiten Hund adoptieren könnte, weil's ja im Haus schon wieder leerer geworden ist. Gerade jetzt gibt es genug arme Fiffis zur Adoption, denn immer zum Schuljahresende, wenn die große Expat-Rotation einsetzt, werden leider auch viele Vierbeiner einfach in die Wüste geschickt, sprichwörtlich. 

Ein richtiger Wüstenhund ist der persische Windhund, der Saluki. Eine ganz alte Rasse, unverfälscht, rasend schnell, freundlich und intelligent. Ein solcher war bei Bekannten von uns als Foster Dog (Pflegehund) untergekommen und suchte noch nach einem Forever Home, wie man hier so schön sagt.


Sie heißt Amal, arabisch für Hoffnung, ist ca. 9 Monate alt, und durfte uns für eine Woche auf Probe besuchen. Ein Prachtexemplar in Bezug auf Statur und Fell, aber wie alle Rescue Dogs mit einer traurigen Vergangenheit, hungerte monatelang in einem Käfig in der Sonne in ihren Exkrementen, bis ihre Haut verbrannt war.

Der Saluki ist der einzige Hund, der von Arabern akzeptiert wird, da er als Jagdhund arbeitet. Trotzdem ist er haram, unrein, und darf nicht ins Haus. Denn wenn da ein Hund ist, kommen keine Engel mehr zu Besuch! Ja, so ist das mit den gesellschaftlich akzeptierten Wahnvorstellungen. Offenbar sagen diese Engel auch, dass man andere Geschöpfe nach Belieben quälen darf.


Glücklicherweise hat sich Amal von diesem Trauma bei ihren Foster Parents weitgehend erholt. Dass sie trotzdem viermal am Tag ins Haus gepinkelt hat, war sicher noch ein Überbleibsel aus dieser Phase. Lang lebe Fliesenboden und Wischmob!

Amal war lieb, anhänglich und blitzgescheit, aber letztlich haben wir sie nicht behalten. Ich musste einsehen, dass ich ein Ein-Hund-Mensch bin, die zwei waren zuviel für mich. Auch Sammy war für Amal nicht der richtige Partner. Sie mochten sich zwar, aber viel Interaktion war nicht. Ich glaube, Sammy war einfach zu langsam für Amal, und wir waren es auch. Trotzdem, ein toller, schöner Hund. Jetzt ist sie wieder zurück bei den drei Salukis ihrer Pflegeeltern, dort ist die Action.

Action gab es außerdem am vergangenen Wochenende, dem stürmischsten bisher. Wir hatten die Idee, eine Wüstentour zu machen (im Juli!) und sind bei praktisch null Sichtweite in den Sandsturm hinein gefahren.


Wenig überraschend: Wir waren weit und breit die einzigen Spinner, die noch unterwegs waren. Zwischendurch hat die Wüste sogar einmal versucht, mich aufzufressen.


Ein Meter weiter rechts wäre kein Treibsand gewesen, aber es ist nun mal dessen Eigenschaft, dass man ihn nicht sieht, es sei denn, man ist Beduine. Egal, ich bin gar nicht erst ausgestiegen, sondern hab mich kurzerhand rausziehen lassen.

Das war nun aber definitiv die letzte Tour der Saison, denn bald geht's ab nach Good Old Germany.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Draußen 40, drinnen minus 5

Es ist schon lange her, dass wir von Abfahrtski auf Langlauf umgestiegen sind - irgendwann wurde uns dieser ganze Skizirkus und der Anblick mancher Hänge im Sommer einfach zuviel. Langlauf ist mehr unser Ding, und es sind diese Skiurlaube im schönen Karwendel mit der ganzen Familie, die ich als einziges wirklich vermisse, seit wir in die Wüste gezogen sind.

Nicht ganz konsistent mit obigem Umweltbezug war es daher, als ich mit Johanna nach ihren Prüfungen ins Ski Dubai bin, um dann doch endlich mal wieder einen Schneehang runterzurutschen. Dort war ich das letzte Mal vor zehn Jahren, aber mit Skifahren ist es bekanntlich wie mit dem Radeln: Man verlernt es nicht und die Gaudi wird auch nicht weniger.

Ski Dubai ist eine unserer größten Attraktionen, kann mit seinen 12 Jahren seit Eröffnung schon als Klassiker bezeichnet werden, steht auf meiner Dubai Bucket List und ist somit ganz klar für einen Blogbeitrag qualifiziert.


Es geht dabei nicht nur ums Skifahren, sondern um Spaß - Pinguine inklusive - für die ganze arabische Großfamilie, die vielleicht noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen oder richtige Kälte verspürt hat. Die eigentliche Skipiste ist 400 Meter lang, nach rund 30 Sekunden steht man wieder unten. Anscheinend hat sie sogar einen "schwarzen" Abschnitt. Zum Glück gibt es einen recht flotten Schlepplift ("For experts only"), der einen schnell wieder hochbringt.

Nicht-Skifahrer lassen sich von dem Sessellift in der Mitte der Halle einmal rauf und wieder runter gondeln, zum Spaß und im Schneckentempo. Natürlich hat er eine Mittelstation mit "Wirtshaus" - auf Hüttenzauber mit Jagertee sollte man aber nicht hoffen. Wer dem Trubel stilvoll zuschauen möchte und viel Kleingeld hat, der kann sich im angeschlossenen Kempinski ein "Aspen Ski Chalet" mit Blick auf die Piste buchen.





Johanna und ich haben's nach zwei Stunden Dauerfahren im Cafe St. Moritz bei heißer Schokolade und Kaminfeuer gemütlich ausklingen lassen. Siehe letztes Bild: Das Feuer war ein Film auf einem Bildschirm - insofern stilecht, da passend zur brutalen Künstlichkeit dieses Entertainmentmonsters.

Bei einer Innen-Aussen-Temperaturdifferenz von bis zu 50 Grad stellt sich natürlich die Frage nach dem Energiehunger des Monsters, und wie sich dieser verhält zu anderen Großanlagen wie z.B. deutsche Skihallen oder Schwimmbäder. Also fing ich an zu recherchieren, und siehe da, nix genaues weiß man nicht. Was man an Informationen finden kann, weicht teilweise um mehrere Zehnerpotenzen voneinander ab. Je nach politischer Einfärbung findet man lächerlich kleine und gigantomanisch große Werte, durch keine Überschlagsrechnung gestützt. Außerdem hängt es stark davon ab, ob die AutorInnen den Unterschied zwischen Leistung und Energie überrissen haben und dabei nicht auch noch mit Kilo-, Mega- oder gar Gigawatt(stunden) durcheinander kommen. Viele scheitern hier kläglich, überraschend ist es nicht. Je nach persönlichem Halbwissen und Kombination falscher Faktoren kommt dann der Energieverbrauch einer grasenden Kuh oder der Großstadt Hamburg dabei heraus.

Dazwischen liegt irgendwo die Wahrheit. Sie dürfte bei denen zu finden sein, die so ein Ding entwerfen, kalkulieren und bauen können. Die Fachzeitschrift Construction Week gibt hier einen plausiblen Wert von 4 MW durchschnittlicher Leistungsaufnahme an. Das ist viel, kein Wunder, im Vergleich zum Gesamtwert der angeschlossenen Mall of the Emirates von 52 MW aber eher wenig. Hinzu kommen 30 Tonnen "Neuschnee" pro Nacht, also 30,000 Liter Wasser, das von der Entsalzungsanlage in Jebel Ali gewonnen werden muss. Shinebar shocking, aber: Diese arbeitet mit dem (relativ!) energiearmen Reverse-Osmose-Prinzip und einem Wirkungsgrad von über 80%. Der Energieeinsatz für diese 30 Kubikmeter stellt sich selbst bei pessimistischer Annahme (12 kWh/cbm wegen hohen Salzgehalts) als vernachlässigbar zu den 4 MW heraus.

Das soll jetzt keine Absolution sein, aber das ist nun mal der Preis, wenn man eine Riesenstadt in die Wüste baut, wo bis vor kurzem nur Kamele zwischen Schlangen und Skorpionen sowie ein paar Fischer und Perlentaucher anzutreffen waren. Die Moralkeule bleibt besser stecken, denn auch Europa hat jede Menge Energiefresser (und ein Dieselproblem). Das Land ist nicht stolz auf seinen Ecological Footprint und unternimmt einiges, um ihn mit modernster Technologie und Milliardeninvestitionen zu reduzieren (deren Wertschöpfungskette, nebenbei bemerkt, über die halbe Welt reicht, also bitte kein Neid auf unsere Yachtenbesitzer) und sich so für das postfossile Zeitalter zu rüsten. Weiterführende Artikel: Dieser und jener und viele andere.


Mittwoch, 7. Juni 2017

Ramadantohuwabohu

Wir sind mal wieder mitten im Fastenmonat der selbsterklärten Religion des Friedens. Also häufen sich die tödlichen Unfälle auf den Straßen, und die Toten durch islamistischen Terror häufen sich auch. Mithin nichts Besonderes, sondern der ganz normale Wahnsinn. Eine andere Art von Wahnsinn ist, dass man hierzulande beim Fasten zunimmt. Dies beweist die Statistik und belegt dieses extra-große, extra-preiswerte Ramadan-Sonderangebot für einen bekannten Brotaufstrich:


Da greift man auch als Ungläubiger gerne zu. Für andere läuft es ungefähr so ab: Aufstehen mitten in der Nacht, nämlich kurz nach drei, damit vor dem Morgengebet noch auf Vorrat gefuttert und getrunken werden kann. Tagsüber im Büro möglichst wenig verbocken, während einen Durst und damit verbundener Brummschädel aufgrund Gehirnschrumpfung quälen. Am frühen Nachmittag nach verkürzter Arbeitszeit völlig dehydriert, die meisten noch auf Nikotinentzug und daher gar nicht aggressiv, nach Hause rasen - alle gleichzeitig natürlich - und am besten keinen dabei totfahren (falls doch: "It was God's will"). Die Zeit bis zum Iftar mit möglichst wenig Bewegung irgendwie rumbringen, dann Binge Eating mit Beten und geselligem Beisammensein, gegen Mitternacht ins Bett. Und nach rund drei Stunden Schlaf geht's von vorne los...

---

So, an dieser Stelle stand bis eben noch eine kritische Abhandlung über den momentanen Affenzirkus um Katar, über Saudi-Arabien, Lügen, Doppelmoral, Arschkriecherei und der Rolle des orangegelben Gottseibeiuns. Aber während ich schrieb und recherchierte, wurde folgender Artikel von unserer vollzensierten Staatsgazette Gulf News ins Netz gestellt:

http://gulfnews.com/news/uae/government/qatari-sympathisers-to-face-fine-jail-1.2039631

Bäng, eine vorn Latz geknallt bekommen. Danke für die Erinnerung, dass man keine andere Meinung als die des Staates haben darf. Vorsichtig muss man sein, klar, denn wir Expats sind ja nur Gäste. Aber solche Deutlichkeit ist durchaus neu. Wie uncool, wie unsouverän.

Ohnehin überschlagen sich die Meldungen gerade: Der alles auslösende Hacker-Angriff war scheints von den Russen (die schon wieder), und in Teheran gab es einen Terroranschlag, der in direkten Zusammenhang mit der Katar-Krise stehen und daher als Kriegsgrund herhalten könnte.

Mal sehen wie's ausgeht, möglich ist alles: Qatar gibt klein bei, der Anschlag in Teheran hat nichts damit zu tun, alles beruhigt sich innerhalb von zwei Wochen. Oder Saudi blockiert die Seewege um Katar, hungert es aus und marschiert als Aggressor (Verzeihung: Befreier) kurz danach ein. Oder der Anschlag ist kein Zufall, Teheran mischt sich ein und es kommt zum Krieg - alles ausgelöst vom Großen Geisteskranken aus Amerika.

Besser schon mal die Koffer entstauben. Dieser Videobeitrag (Link) bietet eine Interpretation der Hintergründe zur Krise. Ein deutsches Highlight auch diese Meldung (Link). Absolut nichts, was nun die Moralheuchler quer durch die Fraktionen von sich geben, ist neu in Bezug auf Katar. Und dabei geben sie auch noch vor, die Geschichte vom alleinigbösen Emir zu glauben, während wir weiterhin Leos an die Saudis liefern. Mir fehlen die Worte.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Der Inschinör hat’s gar nicht schwör

Heute vor einem Vierteljahrhundert hatte ich meinen ersten Tag bei einem „großen deutschen Elektrokonzern“. Da war ich knapp halb so alt wie jetzt. Wie jung werde ich also dieses Jahr noch, inshallah? Genau, es ist unaussprechlich.

Ursprünglich wollte ich ja nur ein paar Jahre beim Konzern bleiben, aber ruckzuck wurden über 20 draus. Das liegt unter anderem daran, dass bei internationalen Großprojekten, wie ich sie mag, die Zeit vergeht, ohne dass es langweilig wird.

Wenn ich alles zusammenrechne, stelle ich erstaunt fest, dass ich von den 25 Jahren genau die Hälfte im Ausland gewesen bin: Fünf Jahre USA, zwei plus vier Jahre Dubai, ein Jahr in Tel Aviv, und diverse Trips nach Hongkong, Madrid, London und Paris. An den Ortsnamen merkt man schon: Das Flughafengeschäft hat seinen Reiz.

Dabei kann ich nicht sagen, dass ich viel gereist wäre oder besonders viele Orte und Länder gesehen hätte. Stattdessen habe ich es immer vorgezogen, mit Familie für länger an Ort und Stelle zu leben und zu arbeiten, mit allem, was dazugehört. Erst diese Immersion erlaubt einem, eine andere Kultur richtig kennenzulernen, denn ein Land oder Volk ist weitaus vielschichtiger, als man es durch die Medien gewöhnlich vermittelt bekommt. Sogar die Amis. Gerade die Amis.

Es ermöglicht außerdem, Deutschland mit anderen Augen zu sehen, denn: Ein System nur von innen heraus zu beurteilen, bliebe unvollständig. Es braucht immer auch die Außenansicht. Vor allem in USA und Israel habe ich viele Gegenthesen zu meinen typisch deutschen, tlw. noch von meiner kleinstädtischen Herkunft geprägten („He’s from Ohio“, würde man drüben sagen), scheinbar festen Überzeugungen erfahren, und fast alle hatten im jeweiligen Kontext ihre Berechtigung, zumindest aber eine Erklärung.

Besonders schön und wichtig war dabei, dass wir als Familie immer zusammen waren. Wir hatten unsere stabile Basis, haben alles gemeinsam erlebt, keinen Schaden davongetragen, dabei ein bisschen Karriere gemacht (war uns aber nie wichtig) und unsere Kinder großgezogen. Die Wertschätzung für die europäische Idee und Kultur wurde dabei nur größer, der Heimatbegriff weiter: Ich sehe mich vor allem als Europäer, nicht so sehr als Deutscher oder gar - ja brunzverreck - als Schweiferter.

Jedenfalls: Es ist viel leichter als die meisten denken. Ein bisschen flexibel muss man halt sein, physisch und mental, und dann kann man eigentlich nur gewinnen. Das Schwierigste ist, wenn die Karawane nach Jahren weiterzieht. Nicht nur Freunde bleiben zurück, sondern immer auch ein Teil von einem selbst. Die Frage, wo ich denn nun zu Hause bin, kann ich nicht bündig beantworten, schließe mich aber im Zweifelsfall der pragmatischen Haltung unserer Kinder an:

Home is, where the Wi-Fi is! 

Zum Schluss, passend zu meiner Profession, zwei Witze mit persönlichem Bezug: Wie manche Projekte laufen, und wo wir so unsere Probleme mit "unvollständigen Spezifikationen" haben.


My wife said: "Please go to the store and buy a carton of milk and if they have eggs, get six." I came back with 6 cartons of milk. She said, "why in the hell did you buy six cartons of milk". I said: "They had eggs".

Freitag, 26. Mai 2017

Graduation, zum Zweiten

Und hier macht sich nun der zweite Vogel auf, das Nest zu verlassen. Johanna hat die Prüfungen zum International Baccelaurate abgeschlossen. Wie im Jahr zuvor waren wir zur Abifeier, hier Valedictory genannt, eingeladen.

Am Morgen haben Elten und Kinder gemeinsam gefrühstückt und Fotos gemacht, danach in einem feierlichen Akt Reden gehalten und besondere Leistungen gewürdigt.


Abends im Waldorf Astoria hat sie sich dann ihr Zertifikat beim Direx abgeholt und zuvor noch etwas vorgetragen. Das hätte fast in einem Lachanfall geendet, weil sie sich grandios verspielt hatten.


Aus den Mädchen sind Frauen geworden, wie dieses ständig umlagerte Gadget bewies. Es machte alle paar Sekunden ein Bild, einfach so, aber mit professioneller Beleuchtung und Kamera.


Natürlich waren wir Eltern wieder sehr stolz und froh, es gemeinsam bis hierher geschafft zu haben. Obendrauf: Lena kam rechtzeitig aus Norwegen zurück, und wir sind mal wieder komplett für ein paar Tage.


Nun zieht es Johanna erst mal in die Ferne. Nordamerika steht fürs nächste Jahr auf dem Programm. Lena hat ihr Gap Year in Stavanger abgeschlossen und wird Richtung Holland weiterziehen. Nur das Pubertier ist jetzt noch übrig. Quasi das Beste zum Schluss. Das ist vielleicht gut so, denn Hege und Aufzucht desselben sind ungleich komplizierter und erfordern Nerven wie die Tragseile der Karwendelbahn.

Freitag, 19. Mai 2017

Der Mai ist gekommen

...die Bäume schlagen aus, auch bei uns. Zumindest die tropischen Arten, die unsere Hitze, Dauersonne und relative Trockenheit lieben. Unten sehen wir ein Prachtexemplar eines Flammenbaums, der sich mit seinen opulenten Blüten wirklich alle Mühe gibt, zu beeindrucken. Das Bild daneben zeigt einen, hihihiii, Golden Shower Tree in vollem Ornat. Oder auf deutsch, gänzlich ohne schändliche Konnotation: Indischer Goldregen.


Herausgefunden habe ich die Artenbezeichnungen übrigens mit der Google Bildersuche: Das oben verlinkte Bild mit der Blüte hochladen, ähnliche Bilder anzeigen lassen, und die dazugehörigen Fachseiten aufrufen, nach einer Minute hat man's. Ein starkes Feature! So konnte ich auch die Gemälde im Beitrag zur Kunst in Dubai im Nachhinein identifizieren.

Die nächsten Bilder zeigen, wo wir es bei den steigenden Temperaturen am liebsten aushalten: Zum (sehr frühen) Morgenkaffee auf unserem neu gemachten Balkon, bei Sonnenuntergang am Community Pool, und am Wochenende zum Abhängen am Strand. Das hat auch unseren Gästen, die wir nach Ostern hier hatten, gefallen. Übrigens, die Milka isch all', ihr dürft wiederkommen!




An der Freizeitfront hat sich ebenfalls etwas getan: Nach dem erfolgreichen SUP Test vor zwei Wochen haben wir prompt eines der Kajaks gegen ein gebrauchtes Anfänger-Board eingetauscht und sind heute damit an unserem Lieblingsstrand auf Jungfernfahrt gewesen. Was tut man nicht alles für seine Beckenbodenmuskulatur!

Gleich daneben macht sich seit langem eine Art Wohnmobilseuche breit, der neueste Trend unter Locals und Expats. Es sind bereits Zusammenrottungen zu beobachten, mit kleinen, abgesteckten "Gärtchen" aus Kunstrasen, und daneben brummt der Dieselgenerator für die Air Condition, krass! Sogar am Rand der Wüste sieht man sie stehen. Da wir in Dubai sind, nennt sich das nicht Camping, sondern Glamping - Preis, Größe und Luxus sind nach oben offen.

 

 

Hotelpension Kraus hat nun außerdem eine angeschlossene Spielhölle. Neben dem alten Kicker in der Eingangshalle und Pingpong in der Küche steht nun ein Pooltisch im Wohnzimmer. Zur Klarstellung, das war ein reiner Mitleidskauf und angewandte Nachbarschaftshilfe! Unser Nachbar ist weggezogen, wurde das Ding nicht los, der Preis war heiß, und wir hatten halt noch ein bisschen Platz. 


Der Billardtisch ist kein China Cheap Shit sondern ein Monster in 9-Fuß-Wettkampfgröße, irre schwer, von Profis ab- und wieder aufgebaut. Steht da wie neu und wird sich ohne nennenswerten Wertverlust wieder losschlagen lassen. Wenn wir eines Tages unsere Mietburg verlassen, werden wir viel Kram zurücklassen und nichts vermissen. Nur das, was niemand mitnehmen kann: Den Pool, das Meer und die Sonne.

Mit unserem netten Osterbesuch waren wir noch auf kleiner Wüstentour, in der Uptown Bar im schönen Jumeirah Beach Hotel, und im Stadteil Marina zum Car Spotting


Am Wochenende wird dort gezeigt, was man hat, und man bekommt manchmal seltene Einzelstücke vor die Linse. Wie zum Beispiel diesen in zwei verschiedenen Farben schillernden Lambo - man beachte die Bremsbacken in Nationalfarben. Das andere Bild darf als äußerst rare Sichtung gelten: Ein elektrischer Fisker Karma, im gleichen finnischen Werk gebaut wie mein Flitzer daneben. Ein schönes Paar aus einer kleinen Stadt namens Uusikaupunki.


Die Haustiere genießen ebenfalls ihr Dasein, auch wenn sie sich tagsüber wegen der Hitze zunehmend langweilen. Kater Tommy findet auf dem Vordach keine ruhige Minute mehr, seit er dort permanent von einem Hirtenstar-Pärchen in Kamikaze-Manier attackiert wird. Nach kurzer Zeit hat er genug von diesen seltsamen Stukas und verzieht sich ins kühle Haus.


Sonntag, 7. Mai 2017

Langlauf auf dem Wasser

Der Trendsport SUP (Stand-Up Paddling) hat sich hier schon ganz zu Anfang etabliert. Kein Wunder, denn wir haben diese kilometerlangen Strände, ein angenehm warmes Meer und selten starke Brandung. Da das auf dem Wasser immer so locker und entspannt aussieht, wollten wir es mal wissen, haben uns das Board eines Bekannten ausgeliehen und sind um sieben in der Früh, wenn das Meer noch ruhig daliegt, zum Strand gefahren.

SUP Boards gibt es in zwei Varianten: Zum Aufblasen und als festes Brett. Unseres war ersteres, mit dem Vorteil, dass es in den Kofferraum passt, und dem Nachteil, dass man nach dem Aufpumpen schon halb erledigt ist. Bretter gibt es außerdem in verschiedenen Längen und Breiten, und es ist ganz erstaunlich, was Profis mit kurzen, schmalen Brettern damit anstellen können, wie hier auf YouTube.

Meine Frau, das Bewegungstalent, demoralisierte mich gleich zu Anfang gründlich. Hüpfte drauf, stand auf, und paddelte davon, einfach so. Ich tröstete mich damit, dass sich Menschen mit dem Schwerpunkt eines Hobbits da einfach leichter tun. Als sportlich untalentierter, hüftsteifer Grobmotoriker habe ich beim Strandpublikum wohl eher Mitleid erregt, insbesondere mit meinen total würdelosen Abgängen ins Wasser. Aber letztlich blieb ich doch eine ganze Weile oben und drehte meine Runden, wenn auch recht zittrig und nicht gerade entspannt.


Wenn Kitesurfen dem Downhill-Skifahren entspricht, dann ist Stand-Up Paddling wie Skilanglauf auf dem Wasser, denn alles wird gleichermaßen beansprucht: Beine, Arme, Rumpf. Jedenfalls sagt mir das mein heutiger Muskelkater. Und ähnlich dem Langlauf ist es das, was ich als nicht-invasiv bezeichne und sehr schätze: Leise, ohne andere zu stören, umweltschonend, keine Spuren hinterlassend, einfachste Ausrüstung.

Montag, 1. Mai 2017

Beinahe Jazz

Die Hundstage kommen näher, und draußen brennt schon wieder diese typische Tropenhitze auf der Haut, die einen nach dem nächsten Fluchtweg in eine klimatisierte Umgebung suchen lässt. Doch die Abende sind mit knapp über 30 Grad immer noch schön lau und nicht mal sonderlich schwül.

Was lag also näher, als am Wochenende zum Dubai Jazz Garden zu gehen, einem kleinen Open-Air-Festival im Habtoor Grand Resort direkt am Strand. Geboten wurden vier Stunden Rhythm & Blues, Funk, Soul und sogar ein bisschen Jazz, vorgetragen von vier verschiedenen Combos aus unserer Ecke sowie Europa und Übersee.




Wie immer hier bei uns war das ganze sehr international. Nicht nur die Zusammensetzung der Bands, sondern natürlich auch das Publikum. Die typische, bunte Dubai Crowd gab sich mal wieder die Ehre, in total gechillter Sommerfeststimmung vor der üblichen Wolkenkratzerkulisse. Ziemlich cool!

Ich hätte ja nicht gedacht, dass vor der Sommerpause noch ein nennenswertes Event stattfinden würde. Schön, wenn man sich so täuscht, denn der Abend war echt nett. Dazu trug freilich auch das viele Strongbow bei, das wir dabei weggebechert haben. So a Äppelwoi isch fei gfährlisch, gelle!


Bei der Gelegenheit ein Hoch auf die Dubai-Taxis. Ein verwackeltes, unscharfes und übersteuertes Scheißhandyvideo gibt es noch hinter diesem Link. Da kann man schön sehen und hören, wie sich der Aufwärmer-Akt bei 0:20 an Hendrix' Voodoo Chile komplett überhebt. Nicht weiter schlimm, denn der einzige, der das jemals wirklich hingekriegt hat, war der unerreichte SRV.