Sonntag, 1. Februar 2015

Desperate Housewives

Jede Siedlung hier hat mindestens eine Facebook-Gruppe, so wie anderswo jedes Dorf. Mein ganz spezieller Favorit heißt Green Community Ladies. Wir Männer müssen draußen bleiben, und eben deswegen ist es so interessant, gell.

Die weitaus meisten dieser Ladies sind ja ihren Männern (hubbies genannt, die Kurzform für husband) in den wilden Osten gefolgt, haben kein Arbeitsvisum, keinen Job  und folglich absolut nichts zu tun. And on top of that: Die Villa putzt die Maid, das Frühstück für die Kinder macht die Maid, den Hund führt die Maid aus, auf die Kinder am Pool achtet - genau - die Maid.

Trotzdem ist diese Art von Weibsvolk (nicht alle sind so und auch nicht alle haben eine Maid) meistens total überfordert. Und weil zwischen Aquagymnastik, Brunchen im 5-Sterne-Ressort und der Pediküre nix passiert, bläst man noch die kleinste Nichtigkeit auf, um den Tag mit Bedeutung zu füllen.

So tat man sich gar arg echauffieren über den suboptimalen Handyempfang - schlimm, ganz schlimm - bis dann der Provider, vermutlich völlig entnervt, zwei Funkmasten mitten in den Park gepflanzt hat. Mein lieber Scholli, da ging's aber erst richtig los. Sogar mancher Hubbie hat sich eingeschaltet, aber auch diese Tiger sind als Bettvorleger gelandet.

You wanted coverage? You got it! 

Für die einen ist es nur ein Funkmast,
für die anderen die längste Palme der Welt.

Manche dieser Jumeirah Janes können einem fast leid tun. Dann aber auch wieder nicht, z.B. wenn sich eine beschwert, dass Arbeiter gelegentlich mit der Bitte anklopfen, ihre Wasserflasche auffüllen zu dürfen. Das geht gar nicht, denn das stört den Mittagsschlaf. Handystrahlen können da absolut nichts mehr wegbrennen.

Mein Vorschlag, eine Gruppe mit Namen Green Community Hubbies zu gründen, stieß bei Conny nur auf begrenzte Zustimmung, also ließ ich es bleiben. Könnte mein gesellschaftliches Aus bedeuten.


Freitag, 23. Januar 2015

Road Movie

Mitte der Siebziger hat ein gewisser Claude Leloch in Paris einen Kurzfilm gedreht, den man heute "viral" nennen würde. C'était un rendez-vous zeigt eine höllische Fahrt von der Porte Dauphine nach Sacré Cœur, bei der jede Menge rote Ampeln überfahren werden. Das ist durchaus verständlich, denn am Ende wartet eine attraktive Blondine.


Mir gefällt das kleine Kunstwerk sehr, also bin ich unter die vielen Nachmacher gegangen und habe meinen täglichen Weg ins Büro gefilmt. Am Ende also keine Blondine, sondern nur schnöde Arbeit. Folgerichtig hatte ich es nicht sooo eilig und habe lieber das Video etwas beschleunigt. Das ist billiger als ein Stapel Speeding Tickets á 120 EUR.

Unterwegs musste ich noch tanken und kurz bei der Bank vorbei. Hier also der Director's Cut. Zuschauen, entspannen, nicht nachdenken. Und Lautstärke aufdrehen! Diesmal auf Vimeo, da die mit den GEMA-Rechten nicht gar so streng sind. (Falls in DE trotzdem gesperrt: hier klicken.) 


Es kamen keine Tiere und Ampeln zu Schaden. Falls es langweilt, dann آسف, aber vielleicht sind ein paar neue Eindrücke für Nicht-Dubaianer dabei. Sportwagenfahrer unter den Zuschauern können erahnen, dass die Strecke durchaus Spaß bietet. Man muss nur wissen, wo die Blitzer stehen.

Vimeo: http://vimeo.com/117185295
YouTube: http://youtu.be/lslHS440M6c

Ja ja, die GEMA. Kein anderes Land macht so einen Terz. Ich habe ein paar MP3-Tracks über das Motorengeräusch gemischt, aber YouTube erkennt ALLES und sperrt das Video für folgende Länder: Deutschland!

Eine der Vorteile im Ausland: Nichts ist gesperrt, alles verfügbar: Musik, Videos, Serien, der Tatort am Sonntag. Nur Schweinkram wird gefiltert. Und dann gibt es ja noch VPN-Tunnel wie Cyberghost, um ggf. auf deutsche Mediatheken zuzugreifen.

Freitag, 16. Januar 2015

Stars in der Manege

Deutsche Fußballclubs kommen zum Wintertraining immer gern zu uns (schnelles Wetter-Update: Luft 23, Pool 28, Sonne sowieso). Wir Expats haben dann die Gelegenheit, Bundesligastars und Nationalspieler bei Testspielen ganz nah und für lau zu erleben.

Gestern also waren Carl und ich in der Oasenstadt Al Ain zu einem Spiel im neuen Hazza Bin Zayed Stadion, es spielten HSV gegen Eintracht Frankfurt (3:2). Ein schönes Spiel, auch wenn ich keinen einzigen Spieler kannte. Carl konnte hier aushelfen, und so nah dran waren wir bisher noch nie. Das hat sich vermutlich auch die Handvoll mitgereister Ultras gedacht und für die entsprechende Geräuschkulisse gesorgt.

Ein nagelneues, modernes Stadion.

Verstellbare Panels für was auch immer.

Der Mann braucht ein Hessisches Heilbad.

Kurz vorm Einlochen - so sagt man doch?

Einheimische sind immer dabei.

Die Steuerung dafür hätte ich gerne programmiert.

Der Schwarze Block wurde scharf beobachtet.

Fußballprominenz, vermute ich. Deo versagt?

Carl ganz vorn dabei.

Freitag, 9. Januar 2015

Unter Beobachtung

Hier ein wenige Tage alter Artikel aus der Gulf News, der vom New York Times News Service stammt. Die Teilnehmerzahl bezieht sich auf eine ältere Demo, doch ansonsten werden Details korrekt wiedergegeben. So z.B. die Gegendemonstrationen in anderen Städten, die lächerlich geringe Zahl an Muslimen in Sachsen und die Verdunklung der Semperoper. Außerdem die Beteiligung von Neonazis und Hooligans neben all den Mitläufern und sonstigen Vollpfosten im Tal der Ahnunglosen. Da hat sich seit Kommi-Zeiten halt nichts geändert.

In unserer Ecke der Welt wie auch im Rest derselben ist durchaus klar, woher das von der Pegidaemlich verwendete Vokabular wie "Lügenpresse" und "Volksverräter" stammt. Man darf offenbar wieder anfangen, sich für sein Land zu schämen, wenn es so weitergeht. Schade, dachte wir hätten das einigermaßen überwunden - Sommermärchen und so.

Der Artikel redet auch nicht lange um den heißen Brei sondern konstatiert völlig korrekt den Zusammenhang zwischen den Hohlbirnen der Pegida und den Brandanschlägen der Neonazis in Vorra. Da kann die neue blonde Schnalle von den Pegida-Pappnasen - eine Möchtegern-Marine Le Pen - noch so viel Kreide fressen, es nützt nichts!


Gut nur, dass sich die andere Pappnasen-Fraktion, die AfD, nun auch offiziell ranschleimen will. Dann müsste auch der letze Trottel merken, wo die in Wirklichkeit stehen. Außer den Trotteln in Dresden natürlich, die weiterhin einem neofaschistischen Haufen Kleinkrimineller hinterher rennen.

Freitag, 2. Januar 2015

Prosit Neujahr!

Familie Kraus wünscht allen ein gesundes neues Jahr! Ich kann nur sagen: Endlich wieder Sonne und Wärme...

Zuerst zwei Wochen oben in Dänemark gewesen, dem Land der Finsternis. Danach knapp zwei Wochen in der Heimatstadt. Dort auch Finsternis, dazu noch Regen. Am 25. dann zurück im proppenvollen A380 und am Boxing Day erst mal zum Aufwärmen LANGE in die Sonne gelegt.

Später sind wir noch spontan zum Kurz-Camping in den Oman gefahren. So locker wie Sammy die Dünen rauf und runter gerast ist, muss eine gehörige Portion Wüstenhund in ihm stecken. Der Rest ist sicher ein Border Collie, denn er hat immer aufgepasst, dass sich keiner zu weit von der Herde entfernt.



Unten noch ein Bild von der Landschaft dort. Wer genauer hinschaut, kann ein Auto erkennen. Da sitzen wir alle drin.



Donnerstag, 27. November 2014

Ein grantiger Dinosaurier

Noch schnell ein Eintrag, dann ist Winterpause bis nach den Feiertagen (ich bin auf Reisen).

Auf einem kurzen Wüstentrip hinterm Haus kam uns eine Dornschwanz-Agame in die Quere. Nicht schön, aber selten. Eine echte Urzeitechse, am Schwanz kann man es erahnen.

Sieht überfahren aus, ist sie aber nicht.

Schade, dass wir keinen Salat dabei hatten.

Lauf, Dino, lauf!




Dienstag, 25. November 2014

Hilfe, der TÜV kommt...

Schock für Bulldog the Jeep und für mich. Er war fällig fürs Vehicle Testing, damit die Zulassung verlängert werden konnte. Dass es nicht einfach werden würde, war mir klar - geendet hat es aber mit einem totalen Desaster.

Grund: Die Regeln wurden offenbar verschärft. Was letztes Jahr noch Kleinigkeiten waren, sind jetzt Major Faults, und viele der Tuning-Umbauten brauchen nun eine Genehmigung der Verkehrsbehörde RTA.

Zu allem Übel gibt es nun ein vernetztes System, mit dem jede Prüfstelle die Test-Ergebnisse aller anderen Stellen einsehen kann. Es nützt also nichts mehr, wenn man es einfach mal da oder dort probiert, bis es passt. Verdammtes Internet.

Wir werden hier noch Zustände wie mit dem deutschen TÜV kriegen. Einerseits ist das gut, sozusagen ein Zeichen einer sich entwickelnden Zivilgesellschaft. Andererseits geht damit wieder ein Stück vom Wilden Osten verloren, im selben Maße wie Zäune, Grenzposten zu Oman und befestigte Straßen in der Pampa zunehmen. Schade.

Also: Tschüss Bulldog. Letzes Wochenende an einen Bastler verkauft. Hat Spaß gemacht.


Und hier: DER NEUE. Die etwas zivilere Variante. Weit besser in Schuss. Nicht ganz so hochgebockt, nicht ganz so krasse Reifen, weniger Body-Mods. Fährt aber auch super.


Das wird dann Lenas Auto für den Schulweg. Wenn sie mal dran denkt, sich für die Fahrstunden anzumelden...

Sonntag, 16. November 2014

Drachenmarkt

Der Name Dubai kommt bekanntlich von "Do Buy!", wörtlich "Tue kaufen!". Deshalb gibt es hier viele und große Shopping Malls. Eine der verrücktesten ist der Dragon Mart wo ALLES verkauft wird, was das Reich der Mitte so herstellt - eine Art materialisiertes Alibaba.

Dort kommt der Wahnsinn des globalisierten Konsums besonders schön zum Vorschein, finde ich. Wobei ich zugeben muss, dass ich für bestimmte Dinge ganz gerne dort hin pilgere. So zum Beispiel kürzlich auf der Suche nach einem neuen Wasserhahn für die Küche. Ungefährer Dialogablauf:

"Wieviel für die Garnitur hier?"
"Sir, 120 Dirham bloß, Sir!"
"Okay, Ich nehm's."
"Aber ich geben für 100, Sir."
"Prima, danke - Oh, ich brauche noch einen Schlauch für die Dusche. Wieviel?"
"20 Dirham, Sir!"
"Danke, passt!"
"Ich geben gratis für Sie, Sir!"

Der Verkäufer hatte entweder Mitleid oder war noch schlechter im Verhandeln als ich. Ich fühlte mich dabei etwas an die eine Szene aus "Das Leben des Brian" erinnert.

Der Komplex hat die Form einer Raupe, die wohl ein Drachen sein soll, ist 1,2 km lang und mit tausenden Shops bestückt. Meistens ist es der übliche chinesische Kram, oft aber auch genau die Sachen, die - mit anderem Label - woanders das Vielfache kosten.

Der Komplex wird gerade massiv erweitert.

Der chinesische Drache umschlingt die Welt.

Die Pforten zur Konsumhölle.

Locals mögen das.

Was hübsches für die Eingangshalle?

Krimskrams bis zum Abwinken.

Auch hübsch.

Es gibt wirklich alles, man muss es nur finden.

Richtung Werkzeugabteilung wird es interessanter.

Samstag, 8. November 2014

Meine Baustelle

Für Technikaffine heute ein kurzer Einblick in "meine" Baustelle am Flughafen in Abu Dhabi. Sie macht Fortschritte, aber wie bei allen Großprojekten zeichnen sich erste Verzögerungen beim Bau ab, die dann auch unseren Projektplan durcheinander bringen.

Es sind täglich ca. 15,000 Arbeiter auf der Baustelle. Den letzten LTI (Lost Time Incident - Zeitverlust durch einen Arbeitsunfall) gab es vor über 60 Mio. Arbeitsstunden. Das ist beachtlich - wenn man dem glauben darf - und das Gegenteil von dem, was man vom WM-Bau aus Qatar hört.

Ein aktuelles Satellitenbild auf Google Earth. Die Distanz zwischen Baustellenbüro und Anlage beträgt ca. 1 km.


So heißt das Projekt. Das Gebäude wird Museum genannt und beherbergt Demo-Aufbauten von diversen Anlagenteilen.


Im Bauch der Anlage herrscht das übliche organisierte Chaos. Im Bild eine Lay-Down Area, darüber unsere Plattformen.


Dieser deutsche Ingenieur hat natürlich alles unter Kontrolle ...bis jetzt. Irgendwann kann er mit seinem Kram einziehen.


Riesige Strukturen und Materialschlachten überall. Hier ein bisschen Bau-Ästhetik.


Mein sub-suboptimales Baustellenfahrzeug. Beim Baum links im Bild hat sich wohl jemand einen Halloween-Scherz erlaubt.


Es ist immer noch Platz für ein liebevoll gepflegtes Kräutergärtchen in der Nähe der Kantine.


Unser Kunde kann sich diesen Pseudo-Zen-Vorgarten an seinem Baucontainer natürlich leisten. Wir nicht.


Putzige Schilder. Das Health & Safety Reglement ist extrem strikt, und das ist gut so. Das hier ist nicht Doha!


Einige sind handgemalt, Acryl auf Holz. Sollte man eigentlich sammeln, diese Splatterkunst.


Man kann nicht oft genug darauf hinweisen. Je mehr es von diesen Schildern gibt, desto besser.


Hier eine Variante in sechs Sprachen. Trotzdem kapieren es nicht alle.


Freitag, 31. Oktober 2014

Der Wochenspiegel

Aus der vergangenen Woche gibt es zwei kurze Geschichten zu erzählen:

Zu Johannas Sweet-Sixteen-Feier ist die Partygesellschaft mitsamt Campingausrüstung zum See in der Wüste gepilgert. Papa blieb über Nacht, hat alle bewirtet, Lagerfeuer gemacht und aufgepasst.


Für Carl gab es in der Arabischstunde einen Eintrag ins Klassenbuch. Er hatte sich mit seinem Nachbarn kurz über den Film FACK JU GÖTHE unterhalten. Der Lehrer schnappte das auf und war zu Tode schockiert. Es gab eine riesige Standpauke, und alle Erklärungen halfen nichts. Nein, er konnte diese Worte nicht aussprechen, als Conny wissen wollte, was los war.

Am nächsten Tag hat Conny ihm noch mal via direkter Ansage erklärt, dass der Filmtitel nun mal FUCK YOU GOETHE ausgesprochen wird, also muss man das auch sagen dürfen. Da musste er aber ganz schnell Hände waschen und eine extra Gebetsübung einlegen.

Heute Abend gehen wir noch in ein Konzert, das die Deutsche Schule organisiert hat. Ausgerechnet an Halloween, super Timing. Zuvor gibt es ein kürzeres Konzert für Kinder, das Conny moderieren wird. Mal sehen, wie viele Kinder dafür auf das Trick or Treat verzichten wollen.