Sonntag, 18. Februar 2018

Fujairah Wadis

Es muss nicht immer Dune Bashing sein. Das Hajar-Gebirge zwischen West- und Ostküste hat eine ursprüngliche Landschaft mit schönen Bergstraßen und steinigen Wadis zu bieten. Da wir alle die passenden Autos dazu haben, sind wir mal wieder losgezogen. Ins GPS haben wir eine Fünf-Wadi-Tour einprogrammiert, die den ganzen Tag dauern sollte. Schön war's.

Los ging's vom Dörfchen Al Ghail aus, das malerisch am Fuß der Berge liegt, dort wo Wüste und Fels aufeinander treffen. Man kann sich dem Ort über eine langweilige Straße nähern, oder besser über einen alten, aber gepflegten Track im Hinterland.



Im Wadi Asimah musste ich feststellen, dass die ehemals rauhe Strecke eingeebnet wurde und nun sehr einfach zu fahren ist. Auch von den schönen Wasserkanälen, den Falaj, war nichts mehr zu sehen. Das ist eben Fortschritt aus Sicht der Einheimischen, die nun ihre Plantagen leichter erreichen können. Wir sind in ein Seitental gewandert und haben einen der wenigen Tümpel gefunden, mit Fischen, Fröschen und einem Wasserskorpion. Auch die Hunde fanden das toll.




Am Ende des Wadis liegen die Dörfer Asimah und Tayyibah. Dort findet das typisch gelassene arabische Landleben statt, Lichtjahre entfernt von der Hektik Dubais.



Endlich mal richtig knifflig wurde es dann im Wadi Tayyibah. An einem Punkt hieß es sogar "Ende Gelände" für unsere Autos. Der weitere Weg war schön schwierig zu fahren und bedurfte manchmal zentimetergenauer Rangieranweisungen. Dann wurde es aber Zeit für unser Picknick im Schatten einer Palmenplantage.




Am nördlichsten Punkt der Route sind wir umgekehrt und durch die Wadis Sena und Sidr gepflügt. Am Scheitelpunkt der beiden Wadis hat man eine tolle Aussicht, wenn das Wetter mitspielt. Auf dem Bild ist das Küstenstädtchen Dibba und der Golf von Oman zu sehen.



In der Abendsonne ging's dann flott zurück nach Dubai durch das Wadi Mayd. Einen ungeplanten Boxenstopp zwecks Reifenwechsel mussten wir noch einlegen, aber dann ging es weiter auf der schönen Bergstraße.


Freitag, 9. Februar 2018

Oh Dubailand...

...was ist aus dir geworden? Nichts. Gut so, oder? Das Stadtentwicklungsprojekt Dubailand war eines der größten Dinger, die meines Erachtens jemals geplant wurden. Schon das Modell dazu: Das größte, das ich je gesehen hatte. Im aufwendigsten Sales Office, dass ich je... ja genau. Eine Schau für sich, und es ist höchst erstaunlich, dass es heute noch steht, obwohl jedem klar sein müsste, dass nichts von dem noch realisiert werden wird. Und trotzdem: Als wir vor einiger Zeit dort waren, gab es tatsächlich Interessenten, die sich von den üblichen Immobilienverkaufsschnecken haben zutexten lassen.




Nach diesen Bildern müsste klar sein, dass Dubailand tatsächlich der angemessene Name dafür ist. Überdrehter geht es kaum, der ernsthafte und intellektuelle Europäer rümpft die Nase. Aber für uns 10% der Weltbevölkerung wurde das auch nicht gemacht, sondern für alle anderen - vor allem für die, die in den aufstrebenden asiatischen Staaten zu Geld gekommen sind und nach Anlagemöglichkeiten suchen.


Obiger Ausschnitt ist aus dem United Arab Emirates Yearbook 2006eine interessante Quelle. Die geplante Fertigstellung war 2020, ha!, auf einer Fläche von der Größe Münchens. Was heute im Internet noch unter dem Stichwort Dubailand zu finden ist, sind ganz normale Wohnsiedlungen ohne Schnickschnack. Hier noch ein paar Detailbilder vom ursprünglichem Design:




Dubailand sollte sich in der Wüste hinter den Arabian Ranches ausbreiten, einem großen Compound, in dem wir von 2006 bis 2008 gewohnt hatten. Damals hüpften noch Gazellen hinterm Haus über die Dünen. Nun sind dort zwar einige neue Wohnviertel mitsamt zwölfspuriger Autobahn, aber es gibt immer noch Gazellen, nur kein Dubailand. Das ist fast schade, denn ich hätte mich gerne vom Gegenteil meiner damaligen Meinung überzeugen lassen: Dass die alle komplett durchgeknallt sind.

Als 2008 die Finanzkrise Dubai erreichte, kam das Projekt nie mehr richtig aus den Startlöchern, so wie andere, ziemlich irre Pläne auch: Zum Beispiel The World, die Palm Jebel Ali oder der Arabian Canal, alle ohne weiteres vergleichbar mit dem Pyramidenbau vor 4500 Jahren. Nur: Ohne solche Visionen gäbe es eben keine Pyramiden, und wir wären auch nie zum Mond geflogen.

Aber natürlich zuckte da bei manchem trotzdem der deutsche Schadenfreudereflex ganz heftig. Man konnte dies besonders schön an den damals erschienenen Zeitungsartikeln ablesen, vor allem aber an den hämischen Forumsbeiträgen vieler klein und hässlich denkender Leute. 

Dem kann man einiges entgegensetzen: Alle Infrastrukturprojekte wurden konsequent weitergeführt, neue gestartet. Andere Großprojekte, z.B. die Stadtviertel Motor City und Sports City, wurden bzw. werden fertiggestellt. Die Küste wurde auf viele Kilometer in einen modernen Stadtstrand umgebaut. In der Stadt und draußen in der Wüste entstehen gerade 800 km Fahrradwege. Und sogar der Canale Grande wurde eröffnet.

Das für mich beeindruckenste Beispiel ist Dubai Marina. Unten ein Bild von 2004, wie ich es bei meinem ersten Besuch erlebt habe: Eine staubige Monsterbaustelle mit etlichen Kränen und Rohbauten. Heute eines der quirligsten Stadtviertel, in dem 24/7 der Bär steppt, bevölkert von ca. 100,000 vor allem jüngeren Menschen aus allen Erdteilen, die den urbanen Hochhaus-Apartment-Lifestyle (ein Megatrend) unseren eher beschaulichen Compounds am Rand der Wüste vorziehen. 



Auch die Anzahl der Baustellen und Kräne ist wieder stark angestiegen, die Stadt befindet sich nach wie vor im Dauerumbruch - fast, als wäre nichts geschehen. Ob dies alles nur eine weitere Blase ist, wird sich zeigen. Fest steht: Der Masterplan geht weiter - mit Korrekturen - und die Geschichte scheint noch lange nicht zu Ende. Die Stakes sind nach wie vor hoch, der Erfolg ist keineswegs garantiert, aber auch nicht unwahrscheinlich. 

Eines ist klar: Die üblichen verzagten und pessimistischen Denkmuster, die so typisch für die deutsche Mentalität sind, darf man hier nicht anlegen. Das, was hier umgesetzt wird, ist eher eine Mischung aus amerikanischem "Can do"-Fundamentaloptimismus und asiatischem Expansionsdrang, gepaart mit der Art von Hybris, die Großes schaffen kann. Oder war jemand etwa NICHT beeindruckt, als neulich Tony Starks Boosterraketen gelandet sind? Can do! Gleiches Muster.

Dienstag, 30. Januar 2018

Das Geisterdorf

Wir waren mal wieder im Sand unterwegs. Unser Mission war, mittels GPS-Koordinaten eine verlassene Siedlung mitten in den Dünen zu finden. Da wir ja immer ambitioniert sind, haben wir uns diesem Geisterdörfchen quer über die Dünen genähert, denn längs kann jeder. Diese waren klein und gemein, und es wurde eine recht lustige Tour mit vielen Stucks daraus. Eine gute Gelegenheit, mal etwas darüber zu erzählen:


Hier fährt (bzw. steckt) die Jugend und macht einen Anfängerfehler. Trotz 375 PS, irrem Drehmoment und erstklassigen Offroad-Reifen zu wenig Schwung geholt, seitlich abgerutscht und sich eingegraben. Schaufel und Sandbleche holen einen hier raus, aber die Schwerkraft gewinnt immer.


Der Klassiker: Auf dem Dünenkamm aufgesetzt, da trotz modifizierter Federung kein Reifen ausreichend Kontakt mehr hatte. Da hatte ich mal zu wenig Massenträgheit eingesetzt, die einen bei richtiger Dosierung problemlos drüberrutschen lässt. Das ist wörtlich gemeint: Das Auto rutscht mit dem Wagenboden über den Kamm - an das Geräusch dabei muss man sich gewöhnen.


Wer alleine ist, muss viel Sand unterm Wagenboden wegschaufeln, um freizukommen. Leichter geht's mit dem Bergeseil oder, wie in diesem Fall, mit der Motorwinde. Abwickeln, festmachen, einschalten. Zehn Sekunden später ist man raus, völlig unspektakulär. Ein echter Luxus, das Ding.


Hier werden wir von den Kamelen mit Verachtung gestraft. Der Landrover hat zwar doppelt so viel PS und Nm wie mein alter Jeep, ist aber auch fast doppelt so schwer. Und manchmal helfen sämtliche Sperrdifferenziale nicht aus der Bredouille. Um sauber über die Düne zu kommen (nicht fliegen, nicht steckenbleiben) muss man nicht nur die richtige Geschwindigkeit haben, sondern auch ein bisschen Mut. Denn im Moment des Anstiegs sieht man nur den Himmel, aber nicht, was hinter der Düne kommt. Das kann man mit etwas Erfahrung jedoch voraussagen.


Hier zieht David den Goliath mit einem kinetischen Bergeseil von der Düne. Das ist aus elastischem Material, kann also einiges an potentieller Energie aus dem Zugfahrzeug übernehmen, bevor es sie mit Verzögerung an das gezogene Fahrzeug abgibt - im Ergebnis deutlich schonender als ein konventioneller Bergegurt, mit dem man sich bei falscher Kraftdosierung schon mal den Abschlepphaken abreißen kann.


Was aussieht wie ein Achsbruch ist nur ein schönes Beispiel für meine maximale Achsverschränkung. Genau deshalb ist ein langer Federweg so wichtig: Nicht nur wegen der Bodenfreiheit, sondern auch damit immer möglichst viele Reifen Bodenkontakt haben können. In diesem Fall hat es mir nichts genützt: Zwei Reifen hingen in der Luft. Da ich bei meinem Jeep keine Differentialsperre reinhauen kann, haben sich genau diese beiden Reifen gedreht, aber halt nicht die, die es gebraucht hätte.


Die übliche Mitteldifferentialsperre hätte nichts gebracht, es hätte schon eine auf der Hinterachse sein müssen. Meine schicken GFK-Sandbleche (von www.sandbleche.de) haben das Problem aber locker gelöst.

Nach all dem Spaß haben wir außerdem unser Dörfchen gefunden. Verlassen, zugeweht, surreal, mit ein bisschen Endzeitstimmung. Warum es aufgegeben wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ein Grund könnte sein, dass sie den Kampf gegen die Wanderdünen aufgeben mussten.





Ein Filmchen habe ich natürlich auch wieder drehen müssen, als Erinnerung für uns und unsere Gäste, die den Mut hatten, selbst zu fahren bzw. mitzufahren.


Auch sehr gelungen: Ein kurzer Film von unserem Geisterdorf aus der Luft, produziert von der "Drone Collective".